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3 Fragen an Michal Hvorecký

Kategorie: Allgemein

NACHGEFRAGT: Kurz vor der Lesung beim 5. Salon Alt-Moabit konnten wir Michal Hvorecký noch um ein Interview bitten. Hier verrät der slowakische Autor, wie er sich seine deutschen Leser vorstellt und warum er so gerne reist...

1. Michal, für Dein Buch »Tod auf der Donau« hast Du eine Recherchereise in den südlichen Donauländern untergenommen. Was war für Dich das Wichtigste, das Dir diese Reise gebracht hat?
Ich brauchte die Recherche vor allem, um das Donau-Delta zu bereisen und es für mich und mein Buch zu entdecken. Die Donauschiffe, auf denen ich zwei Jahre lang gearbeitet habe, sind nie so weit nach Ost-Rumänien gefahren, meistens nur bis nach Ruse in Bulgarien. Die letzte Reise bis nach Sulina am Schwarzen Meer war wirklich spannend und für den Roman sehr wichtig. Die Orte, wie das Sanatorium für die Leprakranken, tauchen auch in der Geschichte auf, ganz am Ende.

2. Du bist der erfolgreichste slowakische Autor in Deutschland. Was unterscheidet den deutschen Leser von dem Leser in deinem Heimatland?

Der deutsche Leser hat viel weniger Vorurteile und ist gespannt auf Neues. In der Slowakei ist literarischer Erfolg etwas sehr Verdächtiges, sogar Gefährliches. Nur Misserfolg gilt als gute Literatur. Wer viele Leser hat, ist irgendwie gleich schuldig. Das ist seltsam, aber die ganze Kultur ist immer noch viel sozialistischer, als man 24 Jahre nach der Wende vermuten würde. In Deutschland ist die Literatur trotz allem noch immer überall präsent und sichtbar oder hörbar, in den Zeitungen, im Radio – das Schreiben ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Das ist in meiner Heimat leider anders. Ich will aber trotz Schwierigkeiten weiter in Bratislava leben und schreiben. Ich finde meine Stadt sehr inspirierend und genieße all diese Widersprüche des Ostens Europas. Es macht auch Spaß, mitten im Absurdistan zu arbeiten – man hat immer genug Stoff.




3. Wenn Du in der Donau einen Goldfisch fangen würdest, der Dir einen Wunsch erfüllt, was wäre dein Wunsch als Schriftsteller?

Ich würde mir nichts für mich selbst wünschen, weil ich im Literaturbetrieb viel mehr erreicht habe, als ich je erwartet habe und dafür bin ich auch sehr dankbar. Ich würde meinen Goldfisch bitten, meiner Nation kritisches Denken und ein bisschen mehr Ironie zu schenken. Das brauchen wir dringend, aber eigentlich in ganz Europa. Und vielleicht noch ein bisschen mehr Bescheidenheit. Uns geht es sehr gut. Vieles, was in meiner Kindheit unvorstellbar war, ist heute selbstverständlich. Daran denke ich immer, wenn ich von Bratislava aus mit dem Zug innerhalb einer Stunde nach Wien fahren kann.