Mittwoch, 3. Oktober: Eröffnung

Das MitOst-Festival ist das Ereignis des Vereinsjahres. Schon Monate vorher arbeitete das MitOst-Team auf das 10. MitOst-Festival in Ruse hin. 4 Tage Festival für fast 270 Teilnehmende bedeutete für die Festivalkoordinatorinnen Svetlana Kirova in Ruse und Maria Shamaeva und Team in Berlin viel Organisation. Die Eröffnung des Festivals ist der Einstieg: Sind die Teilnehmenden angekommen? Läuft die Registrierung? Sind die Unterstützer und Förderer vor Ort gut eingebunden? Und dann gibt es noch die Presse.

©Christoph Schulz
©Antje Kohlrusch

Kurz vorher: Das bulgarische Nationalfernsehen БНТ2 berichtet live von der Eröffnung des MitOst-Festivals. Unsere Koordinatorinnen Svetlana Kirova und Maria Shamaeva sind zum Gespräch im Studio; Carolin Rölle, Eszter Tóth und Antje Kohlrusch geben Interviews vor Ort (ak).

 

Die Eröffnung hat begonnen: Das Ballett Freedom aus Ruse tanzt einen Nestinarki (ak).

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Engagierte Kunst

Art Performance und Politik. Oder: politische Performance? Das Verhältnis zwischen beiden Begriffen wird erkennbarer und Politik nimmt eine besondere Rolle in moderner konzeptueller und abstrakter Kunst ein.  Heißt es nun, dass sich die Kunst für gesellschaftliche Probleme engagiert und somit eine gewisse Verantwortung für das Weltgeschehen übernimmt? Wie sieht eine politische Kunst-Aktion aus? Soll es ein Skandal sein wie zum Beispiel die letzte Aktion der feministischen Band Pussy Riot in einer Kirche Russlands?

Im Rahmen des Internationalen MitOst-Festivals in Ruse fand ein Workshop über Aktionskunst und das Spannungsfeld zwischen Politik und Kunst statt, wo die Teilnehmer die Theorie, Geschichte der Aktionskunst und aktuelle Künstler kennenlernten. Am Ende des Workshops wurde eine Straßenaktion in Ruse geplant und anschließend durchgeführt.  10 Festivalteilnehmer gingen auf den Hauptplatz von Ruse, um dort die Aktion "Ich brauche kein Geld" zu gestalten. Die Idee der Performance lag darin, auf den zunehmenden Kapitalismus und Konsum aufmerksam zu machen und der Frage nachzugehen, warum sich Menschen mehr und mehr nach Geld sehnen. Die Performancekünstler saßen auf dem Boden mit einem Schild "Nimm mein Geld, ich brauche es nicht" und bewarfen die Passanten mit kleinen Geldmünzen. Die Reaktion der Menschen war unterschiedlich von Überraschung über Freude bis hin zur Verwirrung und Abneigung.
Tabu und Skandal sind zwei wichtige Elemente in der politischen Performance-Kunst. Eine eingehende Betrachtung der Funktion und Wirkungsweise von Tabus ist hier nicht erforderlich. Aber es ist wichtig zu betonen, dass die engagierte Kunst auch sehr gut vorbereitet werden muss und sehr auf den Kontext geachtet werden soltel, damit sie ihre vordergründliche Aufgabe erfüllen könnte. Allerdings ist es anzumerken, dass das Ziel der Performance erreichen wurde. Die Leute kamen ins Gespräch und es entstanden viele Diskussionen.
Misha Badasyan

Donnerstag, 4. Oktober

Worin die Großeltern doch Recht hatten ...

Nachbarn grüßen, Kehrwoche einhalten, im Tante-Emma-Laden einkaufen - kann das wirklich den Alltag, sogar die Gesellschaft, ändern? Zum Workshop „Transition Towns – Städte im Wandel“ hatten sich außer den Leitenden Julian Gröger und Valeria Svart-Gröger mehr als zwanzig Teilnehmende aus Bulgarien, Deutschland und der Slowakei in der gemütlichen Bibliothek des Elias-Canetti-Zentrums eingefunden. Warum? – „Because I love my environment!“, antwortete eine von drei Schülerinnen des Rusener Baba-Tonka-Gymnasiums und traf damit auf Zustimmung bei allen Anwesenden.

Unter dem Motto „Either we undertake a voluntary change now, or we´ll face an involuntary change later.“ wurde über Möglichkeiten nachhaltiger Lebensweise, Urban gardening und den Wert sozialer Mikronetzwerke diskutiert. In den Diskussionen wurde dabei auch immer wieder der Bezug zu Mittel- und Südosteuropa mitgedacht: Kann man Bauern in einem serbischen Dorf vom Guerilla Gardening überzeugen? Muss eine Gesellschaft durch eine Mega-Shopping-Mall-Phase hindurch, um danach den Wert von Regionalität zu erkennen? Welche Rollen könnte ein Verein wie MitOst bei diesen Prozessen spielen?

„Wenn man mich in der freien Natur aussetzen würde, wäre ich trotz meiner guten Schulbildung vermutlich innerhalb kürzester Zeit verhungert.“, brachte Julian Gröger die Kritik der Transition-Town-Bewegung auf den Punkt. Sein Leben mit „Kopf, Herz und Hand“ zu leben, kann heißen, eigene Tomaten anzubauen, im Hinterhof Hühner zu halten oder einfach mal draußen auf öffentlichen Plätzen zu spielen. Dieser Workshop hat dazu Denkanstöße und Inspiration gegeben. Mehr zur Transition-Initiative hier
(as)

Grün essen? Das kann man wörtlich nehmen.
Lecker. (el)

In der Werkstatt des Autors

Philipp Weiss stellt sein Theaterstück "Allerwelt" vor.
Die Zuhörer wollen u.a. wissen, wie der Autor seinen Stoff zum Theaterstück formte. (ak)

Einfach nur Natasha

Grenzgänger ist ein Programm der Robert Bosch Stiftung, das seit vielen Jahren künstlerische Recherchen fördert. Ein Stipendium für ihren Film "Natasha" erhielt die österreichische Regisseurin Ulli Gladik. Bei der heutigen Filmvorführung und der sich anschließenden konträren Diskussion gehen auch wir in gedankliche Grenzbereiche: zu unseren Vorurteilen, in die unterschiedlichen Positionen der eigenen Wertigkeiten und Überzeugungen und dem Zulassen anderer Lebens- und Reflektionswelten. Aber gerade deshalb sind wir hier auf dem Festival! Für alle, die nicht dabei waren - unbedingt anschauen und wirken lassen. (ak)

Mehr: 
www.sixpackfilm.com
www.natasha-der-film.at

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Das Doku-Team

Auf dem Festival wird fotografiert, gefilmt und geschrieben. Einige Teilnehmer fanden sich zu einer Doku-Gruppe zusammen, die hier und auf Facebook täglich vom Festival berichten werden:
Anne (as), Elvina (el), Alexander (ax), Julia (jf), Andreas (al), Antje (ak), Christoph (cs)