Anreise aus Georgien

Ein Erfahrungsbericht von Irine

Als ich erfahren habe, dass das MitOst-Festival in diesem Jahr in Russland statt finden wird, war ich, wie vielleicht auch andere Georgier, nicht besonders froh (muss ich ehrlich zugeben). Warum? Erstens weil ich mir sicher war, dass es für Georgier unmöglich ist nach Russland zu kommen, zweitens hatte ich Bedenken, ob es für Georgier nicht gefährlich sein könnte nach Russland zu fahren und drittens, folgt aus dem ersten und zweiten Punkt, war es mir unangenehm mit der Tatsache konfrontiert zu werden, dass die MitOst Organisatoren keine Rücksicht auf die Georgier in diesem Zusammenhang nehmen.

Ich hatte wirklich so eine Vorstellung und dies ist nicht verwunderlich, denn es gibt fast keine diplomatischen Beziehungen zwischen den zwei Ländern. Es gibt keine Flugverbindungen mit Russland, georgische Produkte sind in Russland verboten, Georgier sind also in diesem Land nicht erwünscht und genau dort wird das Festival organisiert.

Vor kurzem war ich jedoch in Perm. Denn die MitOst Organisatoren denken doch an Georgier und haben mich gebeten die Strecke zu testen. Ich habe in Perm ein Seminar im Rahmen des Regionalprogramms vom Theodor-Heuss-Kolleg geleitet. Die Möglichkeit hinzufahren hat mich sehr gefreut und jetzt kann ich über diese Erfahrung berichten.

Teil 1: Verwandte, Bekannte und Freunde


Keiner von ihnen hat sich über das Ziel meiner Reise gefreut. Manche haben sich Sorgen gemacht und ich musste wirklich mit meinen Familienmitgliedern ernsthaft reden und argumentieren warum ich nach Russland fahre und versichern, dass es auf kein Fall gefährlich sein wird. Einige von meinen Freunden haben Scherze gemacht, dass ich in Russland oder in Georgien vom Geheimdienst verhört werde. Die Scherze klangen jedoch ziemlich ernsthaft.

Inzwischen habe ich eine Einladung bekommen und Kontakt mit dem russischen Konsulat gesucht.

Teil 2: Visum


Soweit ich wusste, werden die Visa für Russland von der Visa-Stelle der Schweiz erteilt. Aber dies war eine falsche Information. Es gibt ein russisches Konsulat in Georgien, dieses findet sich im Gebäude der Botschaft der Schweiz. Die Adresse, sowie alle notwendigen Telefonnummern kann man auf der Webseite finden: http://www.georgia.mid.ru/

Die Einladung muss unbedingt per Post geschickt werden, also ein Original. Keine via Fax geschickte oder gescannte und dann ausgedruckte Version ist zugelassen.

Am besten sollte die Einladung vom Außenministerium Russlands ausgestellt werden. Meine Einladung wurde von dem Migrationsdienst ausgestellt, deswegen hatte ich einige Probleme. Doch dann hat sich alles dank der einladenden Organisation in Perm geklärt und ich habe ein Visum innerhalb von 3 Stunden bekommen.

Die Kosten für das Visum betragen 100 USD, wenn es in einem Tag ausgestellt wird und 50 USD, wenn man 3 Tage warten kann.

Die Mitarbeiter der Botschaft waren sehr hilfsbereit und wirklich nett.

Teil 3: Reisekosten


Sehr hoch. Für die Strecke Tbilisi-Kiyev-Moskau und zurück habe ich insgesamt ca. 1100 GEL (ca. 500 EUR) bezahlt. Es ist wirklich teuer, wenn ich daran denke, dass Studenten hinfliegen sollen. Dazu muss man die Tickets sehr früh buchen, da für die Strecke Tbilisi-Kiyev-Moskau eine große Nachfrage besteht.

Teil 4: Die Reise


Der Hinflug hat 2 Tage gedauert und der Rueckflug ebenso. Ich musste ein Tag lang in Moskau warten. Eine Möglichkeit wäre mit dem Zug aus Moskau nach Perm zu fahren, dazu habe ich leider keine Information. Also der Flug war lang und ich glaube nicht, dass ich im Stande bin noch mal eine ähnliche Reise in diesem Jahr zu unternehmen.

An der Grenze hatte ich keine Probleme, man hat mich nicht mal gefragt, warum ich nach Russland gekommen bin. Mein Gepäck wurde auch nicht untersucht. Ob ich mich sicher gefühlt habe? Es war nur einmal, als ich mich zwar nicht in Perm aber in Moskau unsicher gefühlt habe und zwar als ich Metro fuhr. Da musste ich an die Ereignisse denken, die erst neulich statt fanden.

Ansonsten

Teil 5: Fazit


Ich war schon früher in Russland, aber ich hatte bisher keine Gelegenheit den Ural zu sehen und ich muss zugeben es war sehr schön. In Perm kann man viel Interessantes erleben: Museen, Ausstellungen, alte Architektur und Denkmäler. Die Kombination MitOst-Festival und Perm wird bestimmt sehr spannend.

Was mich sehr gewundert hat, war jedoch die Einstellung einiger Menschen, die eine sehr, sehr negative Vorstellung von Georgier haben, was sie auf den großen Einfluss der Massenmedien zurückführten. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich es geschafft habe nach Russland zu kommen und zumindest in den jungen Köpfen der 20 Teilnehmern des Seminars die Vorstellung über Georgier in eine etwas positive Richtung geändert zu haben. Ich bin mir sicher, dass nach unserer Begegnung, sich diese Menschen die Nachrichten bzw.  die anti-georgischen Sendungen kritisch anschauen und versuchen werden sich eigene Meinung zu bilden.

Wenn ihr als Georgier denkt, dass ihr in Russland irgendwie dazu beitragen könnt die Einstellung der Bevölkerung in eine positive Richtung zu lenken und ihr auch selbst einige Stereotypen über Russen abbauen wollt, dann müsst ihr zum Festival fahren.

Irine's Fazit

»Wenn ihr als Georgier denkt, dass ihr in Russland irgendwie dazu beitragen könnt die Einstellung der Bevölkerung in eine positive Richtung zu lenken und ihr auch selbst einige Stereotypen über Russen abbauen wollt, dann müsst ihr zum Festival fahren.«