Pipeline - under construction

Mit dem Programmschwerpunkt Fokus PIPELINE - under construction wird auf dem diesjährigen MiOst-Festival ein sensibles Beziehungsgeflecht aus Politik, Wirtschaft und Umwelt auf eine kulturelle Bühne gehoben. Ziel ist es  mit Kunst und Kultur Menschen aus den Transit-, Geber- und Empfängerländern für das Thema Energieressourcen und -transfer zu sensibilisieren und als gleichberechtigte, betroffene AkteurInnen miteinander ins Gespräch zu bringen.

PIPELINE - under construction sucht nach Formen und Perspektiven der Abhängigkeit von einem Rohstoff aus dem Osten für den westlichen Wohlstand. Im Fokus stehen kreative Transfersysteme die den friedlichen und gleichberechtigten Austausch und Zugang zur Energie fördern.

PIPELINE - under construction präsentiert eine Auswahl internationaler Künstler, die ihre Perspektive zur Thematik mit Skulpturen, Workshops, Sound- und Videoinstallationen, Filmen, Diskussionsrunden, Fotoausstellung und Streetart zeigen.

Team


Witja Frank studierte Theater-, Medien-, und Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig und Frankfurt/Oder und arbeitet als Producer für Verlage und Werbeagenturen in Berlin. Witjas Skulptur „Pipeline“ ist auf dem Festivalgelände für drei Tage zu sehen.

Maike Theuerkauf studierte Musikwissenschaft in Berlin sowie Kultur- und Medienmanagement in Görlitz, Krakau (Polen) und Riga (Lettland). Als Kulturmanagerin und Produktionsleiterin plant und koordiniert sie seit 2007 Veranstaltungen und Vermittlungsprojekte im Bereich klassische und Neue Musik.

Nastasia Hase studierte Kommunikations- wissenschaften, Germanistik und Portugiesisch in Leipzig, Lissabon und Curitiba/Brasilien. Seit ihrem Studienabschluss arbeitet sie als  Kulturmanagerin an verschiedensten Projekten von klassischer Musik über zeitgenössische Fotografie bis hin zu filmischen Projekten. 2010 ist sie Teil der Auswahlkommission für das interfilm Kurzfilmfestival.


Installationen und Performances

Schatten macht Licht – Lichtpiraten

„Jeder kann ein Pirat sein! Schnapp dir eine Crew, zeig auf das, was du willst und teile deine Beute in gleiche Stücke. Piraten halten zusammen! Piraten machen die Nacht zum Tag.“

Die Beute der Lichtpiraten sind Objekte, die sie mit Licht besetzen und in ungewöhnliche, neue Orte und Formen verwandeln. Auf der Suche nach Kooperationen und internationale Machenschaften kommen die Lichtpiraten nach Perm. Ihre Mission: Jeder soll seine Liebe suchen und finden können, ohne Grenzen! Mit „Schatten macht Licht“ ergreifen die Lichtpiraten Raum und Bewegung des Festivals. Ihre Projektionen fügen sich präsent und stimmungsvoll ins Festivalgeschehen ein.

Die Lichtpiraten Rico Tscharntke und Hendrik Fritze werden Fassaden und Pipelines mit Licht besetzen, beleben und bewegen. Mit ihren Live-Lichtperformances sie bereits auf internationalen Theaterfestivals in Israel, Kroatien,Tschechien Schottland und in der Schweiz.

Hendrik Fritze, geboren in Berlin, war schon als kleiner Pirat vom Licht infiziert und konnte die Finger nicht vom Schattenspiel mit der Lampe lassen. Seit 2006 integrativer Bestandteil der Lichtpiraten. Aus der Idee heraus hat er seine Leidenschaft für Projektionstechnik entdeckt und leitet heute erfolgreich einen Projektionsverleih mit fachmännischem Service, der sich zum Zentrum der Berliner Videokultur entwickelt hat.

Rico Tscharntke, geboren in Dresden, lebt in Berlin. 2006 gründete er zusammen mit Caren Müller die Lichtpiraten. Rico produziert außerdem Sound für zeitgenössische Tanzprojekte und engagiert sich für den  Aufbau von alternativen Kulturspaces.

PIPELINE

Eine Pipeline verbindet, trennt und bewegt sich! Die Skulptur PIPELINE schlängelt sich als zerbrechliches und verbindendes Medium durch Haus und Hof des MitOst-Festivals. Risse und Beschädigungen der Verbindung sind mit farbigem Klebeband repariert und deuten auf Verletzlichkeit einer solchen sensiblen Verbindung zwischen Transit-, Geber-, und Nehmerländern.

Die Skulptur wurde aus einer lichtabsorbierenden Spezialfolie gefertigt. Die Anfertigung von Witja Frank im Rahmen von PIPELINE – under construction hat eine Länge von 50 Meter und einen Durchmesser von 2,5 Meter.

Walk the Pipeline         

Da man beim Gehen bekanntlich besser denken kann, bietet die Installation „Walk the Pipeline“ Raum und Anregung zum Informieren, Nachdenken und Laufen über das Netz. Geografisch nachempfunden sieht man hier das aktuelle Pipeline-System zwischen Russland und Deutschland auf einer Fläche von ca 200m². Im Netz verbinden sich alle Pipelineabschnitte wie auf einer Landkarte mit Gaffa-Tape und Informationen dem Boden. So kann man sich als Pipelinegänger prägnanten Punkten im Netz annähern und sich über Fakten und deren Bedeutung für Politik, Land und Leute informieren. Wem wichtige Informationen fehlen, kann diese Lücken im Netz schließen, indem er oder sie selbst Hand anlegen – so wächst und verdichtet sich das Netz mit seinen Besuchern.

Maja Frank und Maria Dobner konstruieren ein eigenes Netz rund um die Frage: Wer ist das Netz und was macht es aus?

Maria Dobner, geboren in Rüdersdorf bei Berlin. Studierte Kulturwissenschaften und ist derzeit für den Presse-Monitor in Leipzig mit der Analyse und Auswertung der Berichterstattung zu verschiedenen Unternehmen beschäftigt. Außerdem wirkt sie am Sponsoringkonzept und bei der Sponsorenbetreuung des European Kongress of Universal and Global History mit.

Maja Frank, geboren in Berlin. Mit den Projekten "Auf Speed, Auf Koks, Auf Arbeit" (www.humanvital.de), "Mediale 2010" (www.mediale-hamburg.de) und "Farbe meiner Heimat" (www.labelfucker.com) inszeniert Maja im Web und auf der Straße ihre eigenen Ideen. Sie lebt und arbeitet in Hamburg, wo sie gerade ihre Ausbildung zur Mediengestalterin abschließt.

Rohrism I + II

 „Rohrism I“ ist eine Ode an das 1910 gebaute Gasometer in Berlin-Schöneberg, das auf sein zukünftiges Schicksal wartet. Das Gasometer war für die Beherbergung des European Energy Forum (Euref), ein europäisch-russischer „Think Tank“ für wissenschaftliche, wirtschaftliche und politische Energiefragen, vorgesehen. Fehlende Investoren und öffentliche Aktionen zur Verhinderung eines „neuen Potsdamer Platz“ auf dem als Kulturerbe geschützten Gebiet haben der Realisierung dieses Vorhabens Steine in den Weg gelegt. „Rohrism I“ ist eine akustische Ausgrabung dessen, was war und was nun kommen wird.

Pipelines, ob alt, erodiert oder neu, liegen über die gesamte Fläche verteilt und werden für eine unsichere Zukunft dort gelagert. Sie bilden das kompositorische Herz der Arbeit. Die Umgebung wird durch die Gasrohre gefiltert, von denen mit Hilfe von binauralen Mikrofonen an einem regnerischen Tag Tonaufnahmen gemacht wurden. Nach und nach gehen die Resonanz der Rohre selbst und die von anderem metallenen Material ineinander über. Die versteckten Bewegungen werden durch einen Autoradio-Verstärker mit einem Spulen- und Kontaktmikrofon ausgelöst.

Die Sound- und Videoarbeit “Rohrism II” ist der zweite Teil der Arbeit über das Gasometer in Berlin-Schöneberg. Wie bei „Rohrism I“ ist der Klang aus dem Innern der Gasrohre im Gasometer aufgenommen worden. Die „Pipe-Flöten“ unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Materials filtern die Umgebung: vorbeifahrende Züge, Autos und Flugzeuge, die Bauarbeiten an einem Gebäude und singende Vögel. Das Video wurde im Innern des rostenden Gasometers gedreht, wo in der Mitte ein transparentes Plastikzelt für Events erste Anzeichen für die Transformation des Geländes sichtbar macht.

„Rohrism  I“ und „Rorism II“ von Signe Lidén wird im Rahmen von PIPELINE-under construction präsentiert.

Signe Lidén, geboren in Norwegen, lebt als Künstlerin in Berlin. In ihren Sound Installationen und improvisierten Performances spürt sie dem Klang sowohl ästhetisch als auch wissenschaftlich nach, indem sie selbstgebaute elektromagnetische Empfänger, analoge und modifizierte elektronische und computerbasierte Schnittstellen auf unterschiedliche Weise kombiniert. Ihre Installationen versteht sie oft als klangliche und räumliche Untersuchungen von sozialen und kulturellen Phänomenen, die sie in experimenteller Form erforscht.

Fotoausstellung

Wir bauen Pipelines – Als Transnik in der Sowjetunion

Gemeinsam mit sechs weiteren Ländern des Wirtschaftsbündnisses RGW baute die DDR ab 1974 eine etwa 3000 Kilometer messende Erdgasleitung durch die Weiten der Sowjetunion. Der Pipeline-Bau im Osten elektrisierte die Jugend der DDR, die von der Enge ihres Landes entfliehen wollten und abenteuerbereit losfuhren. Das arbeitsreiche Leben im „Wilden Osten“ dokumentierten Hajo Obuchoff, der selbst  jahrelang als Kulturnik an der Trasse lebte, und Volker Hohlfeld, der auf seinen journalistischen Streifzügen durch die Sowjetunion zog. Bei der Vernissage  werden beide Fotografen anwesend sein.

Volker Hohlfeldt, geboren in Bautzen, lebt in Berlin. Nach einer journalistischen Ausbildung und einem Fotografie-Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig war er von 1978 bis 1990 Fotoreporter bei der Auslandsillustrierten „Freie Welt“ in Berlin. Seine journalistischen Reisen führten ihn u.a. an die Trassen in der ehemaligen SU. Heute arbeitet Hohlfeld für Tageszeitungen, Magazine und Buchverlage.

Hajo Obuchoff, geboren in Suderode. Von 1975 bis 1979 war er als  Kulturnik an der Drushba-Trasse und organisierte den größten Teil der knapp bemessenen Freizeit für die Trassenbauer. Danach Redakteur und Auslandskorrespondent in Moskau für die Illustrierte „Freie Welt“. Autor der Dokumentation „Honneckers Jahrhundertbau — Die DDR-Erdgastrasse“ (s. Filmprogramm).

Pipeline controversies – Filmprogramm

„Honnekers Jahrhundertbau – Die DDR-Erdgastrasse“

D 2006, Hajo Obuchoff, Jürgen Ast, 45 Minuten

Die ganze Zeit reden wir über Pipelines, diskutieren das Für und Wider, ihre Bedeutung und ihre Zukunft. Wie ist es eigentlich, sie zu bauen? Die Dokumentation von 2006 zeigt den 1974 begonnenen Bau der fast 5.000 Kilometer lagen „Druschba-Trasse“ vom Eismeer bis an die Westgrenze der Ukraine. Die Arbeiter wurden in der DDR als „Helden der Arbeit“ gefeiert. Verschwiegen wurde, dass die Mehrheit des Gases, was durch die Leitungen strömen sollte, für harte Devisen in den Westen verkauft wurde. Für die meisten der 25.000 DDR-Trassenbauer war die Bauzeit in der SU ein Abenteuer und die beste Zeit ihres Lebens. Hajo Obuchoff, damals selbst als Kulturbeauftragter mit an der Trasse, ist als Regisseur vor Ort und berichtet von einem nicht gekannten Freiheitsgefühl und von der Pipeline als Politikum.

„Duell ums Gas“

2009, Anne Gellinek, Roland Strumpf, 45 Minuten

Vom Wettlauf der Ressourcen berichtet die ZDF-Reportage von Roland Strumpf und Anne Gellinek, den Korrespondenten des ZDF-Russlandstudios Moskau. 2009 haben sie den Kampf um Gas und politische Einflüsse von den Förderfeldern in Sibiren und am Kaspischen Meer bis nach Deutschland verfolgt. Die Reportage porträtiert die Pipeline-Projekte North-Stream, von Altkanzler Gerhard Schröder, und Nabucco, vom ehemaligen Außenminister Joschka Fischer unterstützt und promotet. Der eine setzt auf beste Zusammenarbeit mit dem Kreml, der andere plädiert für Unabhängigkeit des Westens von Russland. Ein Film, der Schauplätze zeigt, Fragen zu den Energie-Mammutprojekten aufwirft, Argumente diskutiert, tiefgründig recherchiert ist und vor allem die verbalen Beharkungen der deutschen Ex-Regierungmitglieder zeigt, die sich jetzt als Rivalen gegenüberstehen. Wir freuen uns, dass Regisseur Roland Strumpf, der seit 1991 als Auslandskorrespondent in Russland und anderen Regionen der Welt unterwegs ist, den Film in Perm persönlich präsentiert.

Roland Strumpf, geboren in Gotha, Geschichte und Germanistik in Göttingen. In den 80ern war er Redakteur für politische Magazine beim ZDF und 3sat, später Chef von Dienst für das „auslandsjournal“. Von 1991 bis 1997 war er und seit 2003 ist er wieder Korrespondent im ZDF-Studio Moskau. Das Studio ist zuständig für die Berichterstattung aus Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Moldawien, Russland, Tadschikistan, Turkmenistan, der Ukraine und Usbekistan.

Speed meeting: Pipeline connection

Im Anschluss an die beiden im Jugendtheater gezeigten Dokumentarfilme können sich die Teilnehmer der pipeline connection mit ihren noch frischen Eindrücken und Reaktionen unter der Leitung von Katrin Wendel in Form eines speed meeting untereinander interviewen, sich austauschen und somit noch besser kennen lernen. Anhand von thematischen Leitfragen oder Stichwörtern diskutiert und redet jede mit jedem. Denn: alle paar Minuten ertönt ein Gong als Zeichen, und man rutscht einen Platz weiter. In dieser kurzen Zeit und mit der sich entwickelnden besonderen Gesprächsdynamik haben sie die Chance, dem Thema „Pipeline – under construction“ ihr persönliches Gesicht zu geben und zu eigenen Einschätzungen und Fragen viele verschiedene Antworten zu bekommen und weitere Ideen zu entwickeln.

Katrin Wendel studierte Politische Wissenschaften und Internationale Beziehungen in Berlin und St. Petersburg. Mitarbeit u.a. beim Goethe Institut Moskau, der Friedrich-Ebert-Stiftung in St. Petersburg, im MitOst-Programm „Europeans for Peace“ sowie bei den Förderprojekten der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von relations e.V. Zur Zeit arbeitet sie bei Netzwerk Neue Musik.

Workshops

Und alle so: “b - ts - kch“

Von und mit Daniel Mandolini und Philippe Zeidler (4 x Sample)

Sprache erfinden mit der Beatbox Crew „4 x Sample“ aus Berlin. Beatbox ist eine eigene Sprache! Wer sie verstehen, dröhnen und immer wieder neu erfinden will, kommt zum Workshop! Die deutschen Meister der Beatbox zeigen wie man mit Mund und Mikrofon extrem verschiedene Beats und Geräusche erzeugen kann.

Schatten macht Licht

Von und mit Rico Tscharntke und Hendrik Fritze (Lichtpiraten)

Die „Lichtpiraten“ aus Berlin zeigen wie man sich mit Beamer, Kabel und Software rüstet, um für die Liebe, Farbe und Freiraum zu kämpfen. Alles eine Frage der Perspektive und Einstellung! Der Workshop ist ein offenes Gespräch über die Philosophie und die Technik der Lichtpiraten.

Kleben Leben

Von und mit:  Maja Frank (Farbe meiner Heimat)

Streetart, Flashmob, Guerilla Aktion. Auf der Suche nach neuen Strategien und Möglichkeiten Botschaften zu übermitteln. Im Workshop können Themen und neue Formen politischer Kommunikation diskutiert und vorbereitet werden.

A dead frog is alive (in englischer Sprache)

Von und mit: Natalia Borissova

This workshop will bring you back into battery earliest re-discovered. Away from our today's carbon-zinc friends and the idea of the battery only as an energy storage system, to power an endless number of enslaved hight-tech electric gadgets. It invites you to think of the battery physically (object with potential energy) and artistically. Or just play around like kids without thinking too much and diving into histories, chemistries, lows etc. Touching it and discover some most interesting things about the battery - the ways that different materials (you will make the battery from) can affect it and the functioning of electronic parts as as soon as we would be trying to power a simple electronic circuit with the veggie battery, (miss)using both materials and the battery, getting ideas and inspirations for further experiments. What is actually the goal ;)

 

 

 

 

 

Mit Unterstützung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Moskau und des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in Jekaterinburg im Rahmen des Förderwettbewerbs "Deutsche Tage in den Russischen Regionen.