Running Dinner auf dem Festival

J e d e r   G a n g   m a c h t   s c h l a n k

Von Helena Schrank und Tina Ahrendt 

1. A b e n d .   3 0   h u n g r i g e   M ä u l e r   u n d   9   W G * - K ü c h e n

Eine Herausforderung war geboren. Wir sollten nicht nur an physische, psychische, kognitive und motorische Grenzen stoßen, besonders unsere altbewährten "Soft Skills" konnten erweitert werden.

Alles begann ganz harmlos: Donnerstagabend trafen zwölf MitOst-Festival-Teilnehmer aufeinander und wurden von Eileen, der Organisatorin des Running Dinners spontan den Görlitzer WGs zugeteilt, die in der ganzen Stadt verstreut lagen.

Eh wir uns versahen, saßen wir in Eileens gemütlicher Küche und schnippelten mit ihr und Anika einen riesigen Berg Obst zusammen, der in eine noch riesigere Schüssel kam. Dabei lernten wir uns kennen und erfuhren so manches Interessante aus der Görlitzer Studentenszene. Es beeindruckte uns sehr, wie aktiv die beiden angehenden Kulturmanagerinnen sich in Görlitz engagieren.

Kaum war der Obstsalat fertig stapften wir ein zweites Mal durchs dunkle Görlitz, um unsere Vorspeise einzunehmen. 

D a s   g r o ß e   F r e s s e n   b e g i n n t
"Hätt ich dich heut erwartet, hätt ich Kuchen gemacht", sangen sie und reichten uns Wodka mit Brot und Salz. Sie, das waren die Bewohner und Gäste der ersten WG. Nach der Begrüßung folgte das allseits bekannte und didaktisch wertvolle Schuh-Kennenlern-Spiel, welches wir sogleich ganz heiter zum Besten gaben. Dabei erfuhren wir nicht nur, wer die anderen waren, sondern bauten auch eine innige Beziehung zu einem Schuh auf, ja, auch der Wodka könnte das seinige dazu beigetragen haben.

Dann begann das große Fressen: neben knackig grünen Salat mit vom Italienurlaub mitgebrachten Parmesan und gerösteten Sonnenblumenkernen gab es gebackene Zucchini und eingelegte Oliven. Die Stimmung war bombig, aber wir konnten leider nicht lange bleiben, denn unser Hauptgang wartete auf uns am anderen Ende der Stadt.

Unterwegs mit den Ortskundigen Eileen und Anika genossen wir eine individuelle Stadtführung. Besonders interessant war der Besuch bei "Bohne", einem äußerst eigenen Tischler und Lebenskünstler. Es lebt in einem abrissreifen Haus mitten im Görlitzer Zentrum und hat sich dort auf sehr alternative Weise eingerichtet. Sein Haus steht Interessierten offen und ist auch ein beliebter Ort für Studentenpartys. Die gemütliche Atmosphäre mit Schaukelstuhl und Sofa einem brodelnden Suppenkessel auf dem Feuer waren wirklich einladend, aber wir mussten weiter.

Z w i s c h e n   K u M a s   u n d   K o m m u n i k a t i o n s p s y c h o l o g i n n e n


Nach dem ersten Erwärmen der Kaumuskulatur, der Festigung unserer sozialen Kompetenzen sowie einer kleinen Lektion über die Eigenarten von Görlitz, war nun unsere körperliche Ausdauer gefordert: Der lange, kalte, nasse, dunkle, einsame und etwas gruselige Marsch zu den Suburbs of Görlitz.

Völlig durchgefroren erreichten wir die kleine hübsche Studentinnen-WG, in der eine Tasse heißer Glühwein und eine frisch belegte Pizza auf uns warteten. Diesmal war die Vorstellungsrunde komplizierter. Die Mädchen redeten nämlich in einer uns fremden Sprache und die war sicher nicht osteuropäischen Ursprungs. Wir saßen doch tatsächlich zwischen lauter KuMas, Touris und KomPsys. Die Wesen entpuppten sich wenig später als Studentinnen des Kulturmanagements, des Tourismus und der Kommunikationspsychologie.

Mitten im gemütlichen Beisammensein schaute Eileen auf die Uhr und rief: "Leute, wir müssen los! Unsere Gäste stehen gleich vor unserer Tür!" Obwohl wir schnellstmöglich die Pizza-Kohlenhydrate in Energie umwandelten, erreichten wir Eileens WG und damit den Startpunkt des Abends, erst nach dem Eintreffen unserer Gäste für die Nachspeise. Vermutlich wurden wir vom Glühwein gedämpft.

R u n n i n g   D i n n e r   -   I m m e r   w i e d e r !


Doch da wir gut vorbereitet waren, bewirteten wir die Leute rasch und Anika warf sogar noch schnell ein paar Bananen in die Pfanne, die wir mit leckerem Vanilleeis servierten. Das Dessert war schnell verputzt und wieder blieben wir nicht lange, denn das Sahnehäubchen rockte schon im Braunen Hirsch: The Bagles sorgten für eine schnelle Verdauung und rundeten den Abend und das Running Dinner ab.

Wir sind überzeugt: Running Dinner immer wieder! Denn wir sind nicht nur satt geworden, sondern haben jede Menge neuer Leute und Görlitz by Night kennen gelernt.

Ein großes Dankeschön geht von uns an Eileen, Anika und alle anderen Görlitzer Studenten, die am Running Dinner teilgenommen haben. 

 


* WG = Wohngemeinschaft: Viele Studenten in Deutschland leben mit anderen Studenten gemeinsam in einer Wohnung und bilden eine Wohngemeinschaft