Mittelosteuropa tanzt

Workshop beim MitOst-Festival in Breslau 2005

Tatjana Reitmann, Ostrava, Lektorin der Robert Bosch Stiftung

Beim Tanzen lernt man sich kennen und verstehen. Das wussten schon unsere Mütter und Väter... Aber Völkerverständigung durch Tanz? 10 junge Leute aus 6 Ländern zeigten beim MitOst-Festival in Wroclaw, was Tanz alles leisten kann. Unter dem Motto "Die Welt ist eine Kugel, Osteuropa ist ein Oktaeder" wurde eine tänzerische Melange aus Osteuropa einstudiert und aufgeführt. Den so genannten "MOE-Tanz" hatten Stipendiaten des Theodor-Heuss-Kollegs (THK) während eines einwöchigen Seminars im März 2005 entwickelt. Dazu wurden Elemente aus Tänzen aus ganz Osteuropa zu einem neuen Tanz zusammengefasst: Der "MOE-Tanz" war geboren. Da die THK- und MitOst-Sprache Deutsch ist, wurde als Verbindung zwischen den Tänzern und dem neuen Tanz das deutsche Lied "Alles ist jut, alles ist gut, ich bin froh ein Berliner zu sein" gewählt. Diesen Tanz studierten dann während des MitOst-Festivals 9 "Damen" und ein "Herr" der Werkstatt "Mitteleuropa tanzt" ein. Für viele war es der erste Kontakt mit dieser künstlerischen Darbietungsform. Die jungen Tänzer aus Polen, Rumänien, Weißrussland, Ukraine, Serbien-Montenegro und Deutschland lernten sich beim Training nicht nur näher kennen, sondern diskutierten auch über nationale und europäische Identität. Der fertige Tanz wurde während des Festivals auf dem Wroclawer Marktplatz und im Puppentheater aufgeführt und sowohl von den Festivalteilnehmern als auch von den Einheimischen begeistert aufgenommen. Die Organisatoren Marta Masojc und Grzegorz Nocko haben aber schon wieder große Pläne. Sie wollen den Tanz so weiter entwickeln, dass man das Publikum mit einbeziehen kann. Und wenn Völkerverständigung im Kleinen gleichzeitig so viel Spaß macht und auch noch schön anzusehen ist, warum geht das dann nicht öfter im Großen?