Ein Tag Projektnetzwerkstatt

Zwei Tage lang konnten sich die Festivalteilnehmer in Breslau Handwerkszeug für die ehrenamtliche Projektarbeit aneignen. Ob man einen Verkehrsführer für russischsprachige Tramper plant, osteuropäische Städte in Deutschland touristisch bewerben will, oder ein lettisches Studententheater auf Tournee bringen möchte - in über 40 Workshops war professioneller Rat zu finden.

Nina Körner, n-ost-Korrespondentin

Auch bei einem Telefonat ist Lächeln wichtig. Jeder Interviewer sollte sich das bestätigende "Mmhh" sparen. Journalisten sind zwischen Weihnachten und Silvester leicht glücklich zu machen - nicht jeder hatte das gewusst. In den Workshops der Projektnetzwerkstatt wurden echte Insiderinformationen zu Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, zu Projektanträgen und Fundraising, zu Filmemachen und Layout weitergegeben. Und das sah ganz konkret so aus: Am Vormittag in Raum 209 der niederschlesischen Schule des öffentlichen Rechts ASESOR probt eine Gruppe den ersten Anruf bei einem künftigen Förderer. In einer Minute muss das Anliegen überzeugend vorgebracht sein, sonst wird energisch auf den Tisch geklopft, um den die neun Teilnehmer sitzen. Einen Raum weiter diskutieren fünfzehn Leute im Kreis rege, wie Projekte und Veranstaltungen in die Presse zu bringen sind. Vor den Computern in Raum 11 entdecken ein Dutzend Personen im Workshop "Layout und Design" gerade die Welt der Schriften. Außerdem kommen Vektorprogramme, Urheberrecht und Papierarten zur Sprache. Zum Stundenwechsel lärmt es auf den hellgrünen Gängen der Rechtsschule. Eine kleine Pause zwischendurch und Zeit für eine Stadtführung über den Marktplatz oder zur Dominsel - soviel Zeit lässt das Tagesprogramm. Immerhin ist das MitOst-Festival eine "Leuchtturmveranstaltung" im Deutsch-Polnischen Jahr. Kulturaustausch und Begegnung mit den Nachbarn dürfen also nicht zu kurz kommen. Um drei Uhr nachmittags geht es weiter. Im Filmworkshop schauen sechzehn Interessierte nicht nur einen Film, sondern auch den zugehörigen Kostenvoranschlag an. Große Posten im Filmbudget sind, so wird klar, neben Reisekosten die Ausgaben für Personal und Versicherung. Aber auch die Sicherheitskopie will einkalkuliert sein. Die Layouter experimentieren inzwischen mit dem Programm InDesign, drehen Bilder und schreiben Texte entlang der gewagtesten Linien. Im Raum 210 werden einer seitlich sitzenden Gruppe Kürzel der Nachrichtenagenturen eingeführt, dpa, epd, knd etc. Ganz unterschiedlich sind die Workshops geführt, mal im Frontalvortrag, mal in Gruppenarbeit. Mal gibt es Powerpointpräsentation, Handout, Flipcharts, mal gar nichts. Für jeden Weiterbildungsworkshop bekommen die Teilnehmer eine Bestätigung und die Leiter eine Evaluation. Auch das Feedback fällt unterschiedlich aus. Die Kommunikationsspiele habe sie sich ein wenig anders vorgestellt, meint Ulrike. Carmina dagegen hat sich beim "Kreativen Denken" anhand einer Zahnbürste auf ganz neue Ideen bringen lassen.