Borderland

„Borderland“ ist eine offene, spartenübergreifende Plattform an der Schnittstelle von Musik, Tanz, Sprach-, Performance- und Medienkunst. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung und einer sukzessiven Auflösung der spezifischen Kunstbereiche möchte das Projekt russische und europäische Künstler nachhaltig zusammenführen. Indem die Zusammenarbeit nach innen gestärkt wird, gelingt es den Teilnehmern, die bestehenden Grenzlinien innerhalb der Gesellschaften und im kollektiven Denken nach außen aufzuzeigen und mit neuen künstlerischen Formen zu thematisieren. Es entsteht eine hybride künstlerische Ausdrucksform, die das Arbeitsthema selbst zum Gegenstand macht und in einer gemeinsamen Performancesprache mündet.

Seit einigen Jahren versuchen Städte wie Perm, Duisburg, Pécs und Brnó, über Kunst- und Kulturoffensiven ihr Image aufzubessern und eine spezielle europäische Identität zu manifestieren. Als Konsequenz entstehen zahlreiche internationale „Bottom-Up“ Künstler-Netzwerke der freien Szene, die von unten nach oben wachsen sollen und die kulturellen Kräftefelder der Region aktivieren. Eine Erkenntnis dieser Austauschprogramme ist, dass die meisten Künstler neue Techniken und Medien innovativ zu nutzen wissen, sei es zur Schaffung neuer Kunstformen, zusätzlicher Distributionsmöglichkeiten oder bei der Erstellung neuer Kunstproduktionen. Ein generelles Problem der Initiativen der „freien europäischen Szene“ ist jedoch die mangelnde finanzielle und institutionelle Absicherung der neu geschlossenen Netzwerke. Nachdem die Großprojekte ihre öffentlichen Gelder ausgeschüttet haben, versanden die angelegten Ideenpools nicht mangels Engagement der Teilnehmer, sondern aufgrund fehlender Entwicklungshilfen und Nachhaltigkeit der Arbeitsstrukturen.

Hier setzt das Projekt „Borderland“ an und möchte den Ideentransfer zwischen Akteuren, Genres und Stilen auf europäischer Ebene mithilfe einer neuartigen Arbeitsmethode verlängern. Das Projekt führt Künstler, Kulturproduzenten und Webdesigner aus Perm, Pécs, Brnó und Duisburg zusammen. Es bezieht seine Impulse aus der Vielfalt der kulturellen Backgrounds und der künstlerischen Ausrichtungen der beteiligten Akteure und lässt die aus den unterschiedlichen inhaltlichen und methodischen Kompetenzen entstehenden Spannungen produktiv werden. Unter der Leitfrage, wie kann die spezielle Identität der „freien europäischen Szene“ gefördert werden, arbeiten und experimentieren die Projektteilnehmer mit den Nutzungsmöglichkeiten neuartiger Informations- und Kommunikationstechniken im Kunstbereich.

Mit dieser Transformation und Verflechtung der Ansätze sowie der Konzentration des Künstler-Netzwerkes auf die Anforderungen der Gegenwart entsteht neben einer virtuellen Präsentationsstätte im Internet eine neuartige Medienkunstperformance. Beruhend auf Intermedialität und Interaktivität schafft diese einen Zwischen-Raum zwischen Installation, Ausstellung und Konzert, in dem der künstlerischen Schaffensprozess selbst inszeniert wird. „Borderland“ ist das erste Projekt einer geplanten Reihe, welche die Etablierung eines kontinuierlich arbeitenden ost-/west-europäischen Künstlernetzwerkes zum übergreifenden Ziel hat. Diesjährig sollen vor allem osteuropäische Akzente in NRW gesetzt werden.

Die Arbeitsstruktur orientiert sich an Erfahrungen der Projektteilnehmer aus den Jahren 2005-2010 und ist in vier Phasen gegliedert: 1. mehrmonatiger Arbeitsaustausch via Internet, 2. zweiwöchiger intensiver Workshop in Duisburg, 3. audiovisuelle Konzerttour und Symposium in NRW, 4. Filmdokumentation und Internetseite.

Während des Arbeitsprozesses werden (1.) Skizzen, Ideen und Werkausschnitte (Text, Video, Musik usw.) auf virtuelle Reise durch das Internet gesendet. Der Empfänger der medialen Post interpretiert das fremde Werk auf der Grundlage seiner subjektiven Wahrnehmung und überträgt die Impressionen in seine jeweilige künstlerische Ausdrucksform: Musik provoziert Videokunst, Videokunst Sprechakte, beides wieder Musik usw.; auf diesem Weg wird aus Fremden Eigenes und es entsteht etwas Neues. Diesem Prozess folgt (2.) seine Fortsetzung in realer Begegnung und Workshoparbeit. Die Arbeit mündet (3.) in Aufführungen (multimediale Konzerte/Performances), die zugleich weitere Arbeitsschritte sind: die Erfahrungen der Präsentationen fließen in die fortgesetzte Probenarbeit ein. Ein Symposion reflektiert öffentlich Anspruch und Realität des Projektverlaufs. Der gesamte Prozess wird (4.) mit Kamera begleitet, zuletzt entsteht ein Inhalt und Methoden des Projekts dokumentierender Film, der auf der ebenfalls in dieser Projektphase zu erstellenden Internetseite veröffentlicht wird.

Projektinfo


Zeit:
Mai - September 2011

Ort: Perm (Russland), Pécs (Ungarn), Prag, Brnó (Tschechische Republik), Duisburg u.a. (Deutschland)

Projektleitung: Max Bilitza

Projektteam: Elena Antonova, Rüdiger Eichholtz, Vitaly Vatlin, Tomas Vtipil,  Alyona Ivanova, Danil Smirnov, Sergey Starygin, Hajnal Szolga, Pavel Yuferov, Pascal Klein

Kontakt: MaxBilitza(at)web.de

Partner: Duisburger Tanzwerkstatt Ulla Weltike, Verein Internationales Jugendtanztheater Duisburg e. V., Büro für Städtepartnerschaft der Stadt Duisburg, Theater Arbeit Duisburg, Theorie und Praxis e.V., Lokal Harmonie, Kulturzentrale HundertMeister, Webdesign-Agentur Focus-Designs

Termine: 28.8.-8.9.2011, Duisburg, Bochum, Düsseldorf. Details hier: http://www.borderland-project.net/programm.html

Programmflyer/weiter

Website: http://www.borderland-project.net/

Weitere Links:

http://www.borderland-project.net/

http://www.coolibri.de/redaktion/811/borderland-kuenstler-ohne-grenzen.html

http://www.facebook.com/borderlandproject#!/borderlandproject?sk=wall

Trailer:

http://www.youtube.com/watch?v=M-3vxatj43s

Das Projekt „Borderland“ ist Gewinner des Wettbewerbs kultur-im-dialog.moe 2011, – ein Programm der Schering Stiftung und des MitOst e.V., Berlin.