Schatten

Literarisch-musikalische Akademie zum 75. Todestag
der Prager deutschen Schriftstellerin Ossip Schubin

Im Zuge der Öffnung des ehemaligen Ostblocks nach 1989 ist es zu einer umfangreichen Wiederentdeckung der Prager deutschen Literatur gekommen. Zu den blinden Flecken, die noch bestehen, gehört die Schriftstellerin Ossip Schubin (Prag 1854- Prag 1934) alias Aloysia Kirschner. Am 10.2.2009 jährt sich ihr Todestag zum 75. Mal. An diesem Jahrestag möchten wir in Form eines literarisch-musikalischen Abends an Leben und Werk von Ossip Schubin erinnern und dem interessierten Prager Publikum die verschollene Autorin vorstellen.

Der Name der Schriftstellerin Ossip Schubin ist heute praktisch gänzlich verschollen, obwohl sie um die Jahrhundertwende zu den populärsten Autorinnen deutscher Sprache zählte. Ihre knapp 50, teils mehrbändigen, Romane und Novellenbände erlebten bis zu zehn Auflagen, wurden verfilmt und dramatisiert. Insgesamt konnte der Projektleiter knapp 80 Übersetzungen in elf Sprachen nachweisen - von Englisch und Französisch bis Finnisch und Esperanto; ihre Bücher erschienen sogar in den USA.

Schubins Romane sind mit Blick auf die nicht immer originellen Liebes- und Heiratsgeschichten literarisch von begrenzter Qualität, zeichnen sich aber alle durch eine scharfe Beobachtungsgabe und eine ausgezeichnete, oft ironisch-spitze Wiedergabe der "besseren Gesellschaft" aus, in der sie meist spielen. Ein zeitgenössischer Rezensent schrieb daher sinngemäß "Wer in hundert Jahren wissen will, wie unsere Zeit war, der kann das aus den Romanen Schubins erfahren". Zahlreiche der Romane spielen übrigens vor Prager oder mittelböhmischem Hintergrund. 

Wenn Schubin auch keine vorbehaltlose Anerkennung als Schriftstellerin verdient, so ist sie doch in vielem eine ausgesprochen interessante Figur ihrer Zeit - herausgehoben als erfolgreiche, unabhängige Frau um die Jahrhundertwende, die in Berlin, Paris, Rom Zugang zu den höchsten Gesellschaftskreisen hatte, mit Turgenjew und George Sand bekannt war; herausgehoben aber auch aus deutsch-tschechischer Sicht, da sie beide Landessprachen beherrschte, mit dem tschechischen Nationalkomponisten Bedrich Smetana verwandt war, zur Zeit der sich verschärfenden nationalen Konflikte eine besondere Affinität zu dem slawischen Bevölkerungsteil behielt und sogar sagte, dass einige ihrer Bücher der Seele nach eigentlich hätten auf Tschechisch geschrieben werden müssen. 

Am 10. Februar 2009 jährt sich zum 75. Male der Todestag von Ossip Schubin. Der - auch medial attraktive - Jahrestag soll genutzt werden, um an Leben und Werk von Ossip Schubin zu erinnern, dem interessierten Prager Publikum die verschollene Autorin ihrer Heimatstadt in Form eines literarisch-musikalischen Abends vorzustellen. Der barocke Foerster-Saal der Prager Adalbertskirche in der historischen Innenstadt schafft eine passende Atmosphäre.

Der erste Teil des Abends ist als biographisch-belletristische Lesung angelegt - Ausschnitte aus Memoiren, Briefen, Rezensionen, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln und biographisch gefärbten Erzählungen Schubins lassen einen skizzenhaften, anekdotisch-pointierten Überblick über Leben und Werk entstehen.

Nach einer kurzen Pause ist der zweite Teil des Abends dann einer literarischen Kostprobe aus Schubins Werken gewidmet. Bestritten wird dieser Teil von dem Münchener Kammerensemble tsefyr (www.tsefyr.de), das sich die Schubinsche Schauernovelle "Der Ballsaal des Grafen Linkebeek" aus der Novellensammlung "Schatten" (daher auch der Name des Abends) als Vorlage für eine musikalisch-dramatische Lesung gewählt hat.

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Projektinfo

Ort: Prag

Zeitraum: 10. Februar 2009

Projektleiter:
Thomas Kirschner

Projektteam:
Lucie Cernohousová, Veronika Dudková

Kontakt: th.kirschner(at)gmail.com

Projektdokumentation

Gefördert durch die Europäische Union
im Rahmen des Programms "Europa für Bürgerinnen und Bürger" 2007 bis 2013.