Berliner Diskussionsrunde zum Thema »Kulturschock - schockierend normal?«

Fast jeder Kulturkontakt kann mit der Theorie des Kulturschockes beschrieben werden, die die Entwicklung in Form eines "U" beschreibt: Nach einer anfänglichen Hochphase, in der alles Neue sehr positiv wahrgenommen wird, folgt meist ein Stimmungsabfall. Man fühlt sich verloren, verunsichert und orientierungslos in den fremden Lebens- und Verhaltensmustern. Am Ende vollzieht sich ein langsamer Anstieg, indem meist ein Teil der unbekannten Umgebung wieder angenommen wird und die eigene Kultur positiv aufgewertet wird.

Bericht

Kulturschock (überwinden?)

In der gestrigen Diskussionsrunde, zu der 10 Personen zusammenkamen, wurden in erster Linie Erfahrungen über zurückliegende oder gegenwärtige Auslandsaufenthalte ausgetauscht. Die Theorie des Kulturschocks (Oberg 1960) und ihre einzelnen Phasen dienten dabei als Leitfaden, der nach und nach mehr oder weniger dekonstruiert wurde, und wenn die Theorie im Groben zutrag, so gab es doch relativ viele Punkte, die mit den persönlichen Erfahrungen der Diskussionsteilnehmer nicht vereinbar waren. Ausschlaggebend waren hier scheinbar Elemente wie der soziale Hintergrund, die Beweggründe für einen Auslandsaufenthalt (Sprache lernen, berufliche Perspektiven erweitern oder einfach "Urlaub"), oder etwa die Unterschiede der fremden Kultur zur eigenen (umso andersartiger das Gastland, desto größer der Kulturschock). Interessant - und amüsant - war auch die unterschiedliche Rezeption der Kulturschock-Grafik bei den acht weiblichen und den zwei männlichen Teilnehmern: während die Frauen mit dem vorgegebenen Stimmungs- oder Talfahrtsmodell (1. Euphorie, ..., 3. Kollision, ..., 5. Akkulturation) eher weniger Probleme hatten, die einzelnen Punkte aber trotzdem kritisch beleuchteten, stellten die Männer das Modell lieber auf den Kopf (1. Kollision, ..., 3. Euphorie, später leicht abfallend oder stagnierend), was, unsere kleine Diskussionsrunde betreffend, vielleicht die stereotype Annahme zulässt, dass Männer einen Auslandsaufenthalt pessimistischer, realistischer (und pragmatischer?), Frauen hingegen idealtistischer und euphorischer angehen. Das ist jedoch reine Spekulation, da eine zehnköpfige Diskussionsrunde nicht besonders repräsentativ ist. Denn ich gehe davon aus, dass die Theorie des Kulturschocks auf tausenden Erfahrungen von StudentInnen vieler Nationen beruht, und sie somit ihre Berechtigung hat. Womit meine Erkenntnis am Ende der Diskussion - Ich bin nicht allein! - in jedem Fall auf Zustimmung stieß, allerdings den höchsten Grad der Banalität erklomm.

Max Unbekannt

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Info

verantwortlich: Stefanie Trambow

Ort: Berlin

Zeit: 19. Mai 2008

Die Diskussionsrunden finden im Rahmen des
Filmprojekts Zwischen Welten statt, welches vom MitOst-Verein
gefördert wird. Deswegen werden sie auch auf Video dokumentiert.