Zwischen Welten - Bericht Phase II

Teaser

In einer Kombination aus dokumentarischem Porträt und monatlichen Diskussionsrunden sollte der Frage nachgegangen werden, welche Erfahrungen junge Menschen in unserer globalisierten Zeit mit Sprachen, anderen Kulturen und dabei auch mit sich selbst machen.

Projektbeschreibung

Dokumentarfilmprojekt und Diskussionsrunden zum Thema inter- und transkulturelle Erfahrungen

Berichte

Ein sehr intensives Jahr lang habe ich mich mit interkulturellen Erfahrungen beschäftigt. Mit meinem Protagonisten Maxim Stepanow, meinen Teammitgliedern, anderen Alumni und ansonsten vorrangig Studenten habe ich Themen diskutiert wie Auslandserfahrung, Fremde, Heimat, Identität, Mobilität, Kulturschock und Teamarbeit. Gleichzeitig habe ich meinen Protagonisten an verschiedene Orte und in verschiedene Situationen begleitet. Aus dieser intellektuellen, zwischenmenschlichen und filmischen Auseinandersetzung ist ein halbstündiger Dokumentarfilm entstanden, welcher auf dem MitOst-Festival in Ushgorod gezeigt wurde.
Dies alles war nicht immer leicht mit Job und Studium zu vereinbaren, da die Organisation, die Reisen und der Filmprozess viel Zeit und Kraft gefordert haben. Oft kam ich an meine körperlichen und geistigen Grenzen, wusste nicht mehr weiter und zweifelte an meinen Ansätzen. In diesen Momenten gab es zum Glück immer wieder nette MitOstler, die von dem Projekt überzeugt waren und mich unterstützten und motivierten. Neben meinen Teammitgliedern möchte ich da vor allem der Kollegkoordination des Theodor-Heuss-Kollegs, den Alumni-Vertetern und Julia Ucsnay danken.

Stefanie Trambow (Projektleitung)

Beim ersten Interview hatte ich richtig Schiss. Ich war damals beim Einführungsseminar der Seminarleiterausbildung im Theodor-Heuss-Kolleg, war davon schon so ziemlich überfordert, dazu kam auch noch ein nettes Mädchen, das mit mir etwas Mysteriöses vorhatte, wovon ich wenig Ahnung hatte. Der Situationszwang war aber groß genug, dass ich mich da fügen musste... War trotz Erwartungen gar nicht so schlimm. Das Mädchen (Stefanie Trambow) war wirklich nett, stellte zwar kniffelige Fragen, aber auf so eine einnehmende Art und Weise, dass ich die restliche Scheu vergessen habe und enthusiastisch die Antwort suchte auf die Fragen, die für mich früher zum Teil sogar schon existierten aber nicht verbalisiert wurden. Manche Antworten kamen dann wie bestellt - konnte ich die von den Augen meiner Schöpferin ablesen oder sprudelten sie nur so aus meinem Doppelgänger heraus, der das Bewusstsein mit Steffi sowieso teilte? Ich kenne nur noch dieses Gefühl, als der Protagonist sich verselbstständigte, ihn konnte ich später fragen, wo es lang geht mit meinem Leben...
Steffi war mir immer mit der Kamera hinterher - beim Zähne Putzen wie beim Schlafen, beim Trauern wie bei Wutausbrüchen. Zum Glück musste ich nicht schauspielern, sondern nur mit ihr zusammen leben, irgendwann merkte ich nicht mehr, ob Kamera läuft. Fürs Mitleben bin ich dankbar, das hat mir bisher keiner geschenkt.

Maxim Stepanow (Protagonist des Dokumentarfilms)

Die Mitarbeit am Projekt hat mir viele Anstöße gegeben, über viele Themen wie Identität, Heimat, Fremde, Kultur, Sprache gründlich nachzudenken, auf viele Fragen zu kommen, die mir vielleicht nicht so richtig bewusst waren (z.B. Was ist für mich Heimat?) und eine Antwort auf sie zu suchen.
Ich finde den Film sehr beeindruckend, weil ich ziemlich ähnliche Erfahrungen, wie die Hauptfigur gemacht habe und viele Parallelen ziehen konnte. Ich konnte mich in vielen Punkten mit den Emotionen und den Gedanken des Protagonisten sowie mit der Philosophie des Films überhaupt identifizieren. Einerseits habe ich also im Film das Leben von Maxim Stepanow gesehen, andererseits habe ich da mich selbst mit meinen Erlebnissen, meinen Gedanken und meinen Fragen erkannt, auf die ich meine eigene Antwort geben muss.
Evgeniya Kabanova (Übersetzung, Leitung einer Dikussionsrunde)

Für mich waren die zwei Wochen im Sommer nicht nur die Möglichkeit, zum zweiten Mal bei einem Sommerseminar des Theodor-Heuss-Kollegs teilzunehmen, sondern ich konnte vor Allem an der Seite von Steffi arbeiten und meine Filmfertigkeit weiterentwickeln. Dabei habe ich zum einen die Arbeit mit der Kamera als Herausforderung empfunden, zum anderen auch die ständige Auseinandersetzung mit den interkulturellen Situationen, die sich im Sommerseminar mit einem Thema wie Nationalsozialismus ergeben. Das Thema des Filmprojektes hat mich eine "Brille" aufsetzen lassen, die für solche Situationen sensibilisiert und sie besser durchleuchten lässt. Rückblickend ist die Teilnahme an Steffis Projekt für mich durchaus als ein Gewinn anzusehen.
Bestätigt wird dieses durch die Auswertung der Seminarleiter. Sie haben die Anwesenheit eines so genannten Filmteams als Bereicherung für die Seminaratmosphäre wahrgenommen.
Andrea Zsigmond (zweite Kamerafrau auf dem Dreh beim Sommerseminar in Weimar/Oßmannstedt im Juli/August 2008, welches Maxim Stepanow als Seminarleiter betreute)

Nun, erstmal freue ich mich für Dich, dass Du das Projekt erfolgreich zu Ende gebracht hast. Ich war persönlich sehr motiviert, mitzumachen. Denn ich hab meine Melodien lange im Kopf gehabt und in Deinem Film eben eine gute Möglichkeit gefunden, sie zu vergegenwärtigen.
Es war vor allem sehr spaßig und interessant, so was zu erleben. Ich kannte die Protagonisten und die Welten, die im Film dargestellt werden, z.B. THK als Kosmos oder Uni-Leben in Russland. Die Teilnahme an Deinem Projekt hat mich auch dazu angereizt, selber kulturell etwas zu unternehmen, so hab ich vor, nicht nur Musik weiter zu machen, sondern ein eigenes Filmprojekt anzufangen. Ich sehe auch viele Dinge jetzt ganz anders. Manchmal als Regisseur, manchmal als Kameramann. Sehr gelungen schätze ich unsere Zusammenarbeit ein! Wir haben uns schnell auf die Songs geeinigt und davon ausgehend konnte ich "tanzen", wie man in Russland sagt;) Darüber hinaus hab ich mich persönlich entwickelt, d.h. wenn ich bei solchen Projekten mitmache, kann ich mich in der Gesellschaft besser etablieren. Ich fühle mich halt anders, nicht nur bloß als Ausländer, sondern schon als eine wichtigere Person:) Das tut mit einem Wort einfach gut!
An dieser Stelle möchte ich mich bei Dir auch herzlich bedanken, es war wirklich interessant und erlebniswert, Dein Projekt mitzugestalten. Ich hab dann auch Dich viel näher kennen gelernt. Jetzt haben wir gemeinsame Erlebnisse, die unsere Freundschaft aufs Neue stärken. Ich hoffe auf jeden Fall auf weitere Zusammenarbeit und wünsche Dir viel viel Erfolg! Du bist sehr talentiert und künstlerisch begabt! Nur weiter so!
Sergej Lapshin (Musik)

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Projektinfo

Zeitraum: September 2007 bis Oktober 2008

Orte: Berlin, Brieselang, Potsdam, Kassel, Jekaterinburg, Omsk, Tjumen, Prag, Weimar, Oßmannstedt

Projektleiterin: Stefanie Trambow

Projektteam: Maxim Stepanow, Evgeniya Kabanova, Andrea Zsigmond, Sergey Lapshin

Mentorinnen:
Barbara Keifenheim (Filmemacherin und Professorin für Visuelle Anthropologie in Frankfurt/Oder)
Tabea Sternberg (Filmemacherin)

Partner / Förderer / Drittmittel

MitOst e.V.
Theodor-Heuss-Kolleg
Tecor Dental AG
Europa-Universität Viadrina
Kulturverein Kinski e.V.