Samstag, 24. Oktober: Workshops

Die Wende 1989/90 hat die Gesellschaften in ganz Europa verändert. Ob in Warschau, Bonn oder Leipzig ? wir leben heute auf einem anderen Kontinent als noch vor 20 Jahren. Gerne nutzen wir die neuen Möglichkeiten des Reisens oder der Information durch neue Medien ? andererseits merken wir auch, dass die Transformation unserer Gesellschaften auch Probleme bereitet, die Lösungen verlangen ? allerdings nicht allein im eigenen nationalen Rahmen.

Aus diesem Grund werden junge Menschen aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Leipzig zur Konferenz eingeladen, um die Diskussionen der Konferenz mit ihrem Blick zu bereichern. Der dritte Konferenztag bietet ihnen die Gelegenheit, sich intensiv kennen zu lernen und einzelne Themen zu vertiefen: Praktisch, originell, intensiv und lebendig. Der Ländergrenzen überschreitende Blick auf die vier Workshop-Themen bietet neue Impulse. Der Schwerpunkt der Workshops auf praktischem Handeln lässt das gemeinsame Erlebnis nicht zu kurz kommen.

Die Workshops gehen über den gesamten Tag.

Workshop 1:
Die Straße 1989/2009: Demokratie und öffentlicher Raum
Ein Workshop in und mit der Innenstadt Leipzigs

Ein lebendiger Ort braucht öffentliche Räume für seine Bürgerinnen und Bürger. Wo es diese Orte nicht gibt, werden sie in Besitz genommen ? wie 1989 in Leipzig, als Tausende auf die Straße gingen oder während der orangenen Revolution in der Ukraine. Die Stadt, die Straße und der Platz haben gesellschaftliche Funktionen: Sie bieten ein Forum, um andere Menschen zu erreichen, sie ermöglichen es, Wege zurückzulegen und sie werden mit konkretem Ziel genutzt: Ob zum Einkaufen, Bücher ausleihen, Eis essen oder um ins Konzert zu gehen. Wir schauen uns die Leipziger Innenstadt genauer an: Wie Straßen und Plätze ?funktionieren? und probieren auf kreative und originelle Wiese aus, sie zu ?benutzen?: Um mit Menschen ins Gespräch zu kommen und damit auch ein Thema in die Stadt zu tragen ? zu den Benutzern des öffentlichen Raums. Was haben die Aktivisten von vor zwanzig Jahren unternommen, um ihre Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen? Der Austausch mit Menschen, die uns aus ihrer Erfahrung berichten können, rundet diesen Workshop ab. 

Workshop 2:
Medien 2009: Freiheit, Partizipation, Verantwortung
Ein Web 2.0-Workshop

Opa liest Zeitung und die Enkelin ist im Facebook unterwegs. Ihr Bruder schaut Fernsehen ? aber nicht wie sein Vater die Tagesschau. Die Medien in unseren Ländern sind in einem Wandel, verursacht durch neue Möglichkeiten und andere Nutzungsformen. Junge Menschen sind jedoch nicht dümmer, weil sie nicht täglich Zeitung lesen, sie informieren sich anders ? doch wie? Wo bekommen wir die wichtigen Informationen her? Welche neuen Angebote nutzen wir, welche nutzt die Politik? Und führt das alles zu mehr Partizipation? Wir thematisieren mögliche Unterschiede zwischen unseren Ländern, diskutieren über Datenrechte und Nutzungsverhalten und sprechen mit Medien-Machern über ihren Umgang mit Podcast, Blog, Twitter und Co ...

Workshop3:
West-Ost-oder? Europa und Mobilität Ein Schablonen/Stencil-Workshop

Europa ist nach der Wende 1989/90 internationaler geworden. Wir überschreiten Grenzen, suchen Auslandserfahrungen oder Herausforderungen jenseits der Heimatorte. Ein großer Impulsgeber ist die politische Entwicklung Europas: Von der EU-Erweiterung über den Bologna-Prozess im Bereich der Hochschulen bis zu einer Vielzahl von Austausch-Programmen. Was ist Europa aus unserer Perspektive: Ein Kontinent ? ein Wirtschaftsraum ? ein politischer Rahmen? Wurde die alte Ost-West-Landkarte in unseren Köpfen durch etwas Neues abgelöst? Welche Wünsche haben wir als die erste Generation nach der Ost-West-Teilung und welche Herausforderungen gibt es ? persönlich, national, international?

Ein Stencil-, Pochoir- oder Schablonenkunst-Workshop lädt dazu ein, kreativ und unkonventionell sein eigenes Bild vom Kontinent umzusetzen. Dies ist verblüffend einfach zu erlernende Technik, mit der man allerlei Oberflächen bedrucken kann: Von Wänden über Papier bis zu Textilien. Auch ohne künstlerische Vorkenntnisse kann man durch kompetente Anleitung verblüffende Ergebnisse erzielen.

Workshop 4:
Partizipation heute: lokal handeln
Ein Planspiel-Workshop

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich für eine Sache zu engagieren. In einer Gruppe, einer Insitution, zu einem Thema, bei Aktionen, bei der freiwilligen Feuerwehr ? oder politisch. Jeder Mensch sollte die Form des Engagements finden, die zu ihm passt. Auch wenn nur eine Minderheit Interesse daran hat, ehrenamtlich oder professionell Politik betreiben zu wollen ? als aktiver Mensch wird man früher oder später mit politischen Akteuren, Verfahren und Inhalten konfrontiert. Der Workshop geht der Frage nach, wie diese ausgestaltet sein sollen und was wir unter Begriffen wie ?Partizipation? und ?Demokratie? jenseits von Floskeln verstehen ? und auch wo sich unsere Vorstellungen klar unterscheiden. Wie können die sich daraus ableitbaren Prinzipien im Handeln bewähren? Ein Planspiel bietet den Raum für spannendes und aktives Erleben, wie politische Prozesse gestaltet werden können. Hier gilt es, seine eigenen Vorstellungen an der Realität zu testen, andere zu überzeugen und sich zu einigen auf Wege und Verfahren. Das Planspiel setzt keine besonderen Vorkenntnisse voraus.