Hintergrund

?Die Welt muss sich ändern?! Wir sind die Welt?!?,

rief Michail Gorbatschow, der ehemalige sowjetische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger den Versammelten während des Reformprozesses der ?Perestroika? zu. Damit sorgte er für die wichtige Annäherung der Sowjetunion an den Westen. Dies war einer der vielen Schritte während der Wendezeit zur Neuordnung der Welt.

Auch die Medien erhielten im Jahr 1989 eine neue politische Rolle. Bei dem Umbruch in Mittel- und Osteuropa waren sie die entscheidenden länder- und grenzübergreifenden Multiplikatoren der Ereignisse. Ein Beispiel ist der Versprecher von Günter Schabowski während einer Pressekonferenz. Der machte dank der Fernsehübertragung Geschichte und bewegte am 09. November 1989 tausende von Menschen dazu die Mauer zu stürmen.

Und heute?  Zwanzig Jahre nach den gravierenden Veränderungen in der europäischen Geopolitik und dem Umbruch von 1989 braucht Europa eine neue Debatte über das Zusammenwachsen von Ost und West. Deutschland ist ein gutes Beispiel, denn knapp zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist das Wissen über die Wende bei deutschen Jugendlichen überraschend gering, so der Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin.

In den neuen EU-Ländern wiederum finden wenig vertiefte journalistische Recherchen zum Jahr 1989 mit Hinblick auf das heutige Europa statt. Die Debatte um das Jahr des Umbruchs verläuft fast ausschließlich auf nationaler Ebene. Außerdem wird die Berichterstattung zu den neuen oft komplizierten Entwicklungen im zusammenwachsenden Europa, wie die Ost- oder Schengenerweiterung einseitig oder verkürzt dargestellt.

So kommt die EU oft nur dann zur Sprache, wenn über Konflikte, Bedrohungen oder Sensationen berichtet wurde. Dieses Unwissen nährt Unsicherheit und Vorurteile. Als Resultat fühlen sich die Leser eher erschrocken und verwirrt, statt gestärkt, weil entsprechend informiert. Die gravierenden Veränderungen Russlands und seiner Nachbarstaaten seit 1989 werden ebenfalls kaum thematisiert. Das Wissen über den größten Nachbarn der EU ist gering und das öffentliche Interesse oft nur dann vorhanden, wenn es um die Abhängigkeiten der EU von Russland in Gas- und Ölfragen geht.

Der Internationale Journalistenpreis ?1989 ? 2009: Europa im Dialog? will diesen beunruhigenden Trends in der politischen und medialen Welt entgegenwirken. Er will Journalisten jenseits von Ost und West zusammenbringen, sowie das zusammenwachsende Europa durch die breit angelegte und international ausgerichtete Veröffentlichung von Beiträgen bestärken.

Das Potenzial einer offenen Debatte über Europa ? zwanzig Jahre nach dem symbolischen Jahr 1989 ? liegt im offenen und konstruktiven Dialog sowie einer innovativen Herangehensweise an das Thema. Die beste Grundlage dafür bietet seriöser und vermittelnder Journalismus.

Artikel, die beim Internationalen Journalistenpreis ?1989 ? 2009: Europa im Dialog? eingereicht werden, könnten folgende Fragen thematisieren. Im Zentrum der Darstellung sollen sich dabei aktuelle Entwicklungen befinden, eine Einbettung in den historischen Kontext ist aber durchaus gewünscht:

  • Welche Themen bewegen das zusammenwachsende Europa zwanzig Jahre nach dem Umbruch in Mittel- und Osteuropa?
  • Was verbinden die Länder Europas mit dem Jahr 1989? Welche Gemeinsamkeiten und welche Trennlinien gibt es in den einzelnen Ländern?
  • Welche Themen waren 1989 aktuell für Ost und West in Europa und welche sind es heute? Was verbindet diese Themen über die Grenzen hinweg und was trennt?
  • Wer waren die Gesichter des Jahres 1989 in den jeweiligen Ländern und wo sind sie heute, zwanzig Jahre nach dem Umbruch in Europa?
  • Wo sind die Spuren des Jahres 1989 heute noch zu finden und wie wichtig sind sie heute im zusammenwachsenden Europa?
  • Wer ist die Generation 1989? Wie verlaufen die Ausbildungs- und Lebenswege der ersten Generation, die sich seit Ende des Kalten Krieges frei in ganz Europa ? Ost und West ? bewegen kann?
  • Wie gestaltet sich die journalistische Zusammenarbeit grenzüberschreitend? Was müsste geschehen, damit der mediale Dialog in Europa transnational ? jenseits der alten Trennlinie von Ost und West ? geführt werden kann?