"Bildungsziel: Bürger. Politische Bildung in den Ländern Mitteleuropas"

Interview mit Nora Hoffmann und Waldemar Czachur, Organisatoren der Kreisau-Konferenz


Wie ist die Idee zur Konferenz entstanden und was waren ihre Ziele?

Nora: Viele Komponenten spielen hier mit hinein. Die Idee ist im Kreise langjähriger MitOst-Mitglieder entstanden, die gleichzeitig eng mit dem Theodor-Heuss-Kolleg verbunden sind und dieses mit aufgebaut haben: Monika Nikzentaitis-Stobbe, Waldemar Czachur und Darius Polok. Im Rahmen einer Konferenz wollten wir an diese Aufbauarbeit erinnern ? an einem für uns ?historischen? Ort, denn die Kreisau-Seminare vor zehn Jahren, aus denen ja das THK hervorging, zählen zu den ersten Vereinsprojekten überhaupt.

Waldemar: Inhaltlich wollten wir nach dem heutigen Stand der politischen Bildung in den Ländern Mitteleuropas fragen: Was hat sich in den letzten zehn Jahren auf diesem Gebiet getan? Daraus sollte eine Sammlung von möglichen Handlungsfeldern für MitOst entstehen. Der Verein möchte hier künftig einen der Schwerpunkte seiner Arbeit setzen. Dazu gehört auch die Gründung der ?Arbeitsgemeinschaft Zivilgesellschaft? im vergangenen Jahr. Deren erstes Produkt war nun diese Konferenz.

Nora: Es ging uns auch darum, Angebote zu schaffen, zu zeigen: Es ist möglich, im Rahmen von MitOst als Mitglied etwas auf die Beine zu stellen! Wir haben bei MitOst so viele Experten auf verschiedenen Gebieten, die keine klassischen Mitgliederprojekte mehr durchführen möchten, bei Formaten wie dieser Konferenz aber gerne mitmachen. 

Der Begriff ?Politische Bildung? lässt sich unterschiedlich interpretieren. Was versteht ihr persönlich darunter?

Waldemar: Ich denke ganz grundlegend an die Gestaltung von Rahmen, in denen die Teilnehmer die Möglichkeit haben, über die eigenen Werte und Modelle nachzudenken und zu erfahren, das andere anders denken ? und, wenn es nötig ist, zu einem Konsens zu kommen.

Nora: Zum anderen vermittelt politische Bildung meiner Meinung nach Instrumente, wie sich jeder Einzelne für das Gemeinwohl einsetzen kann und wie in diesem Sinne Handlungen ermöglicht werden.

Welche Ergebnisse hat die Konferenz gebracht?

Nora: Wir konnten zum Beispiel identifizieren, in welchen Bereichen es ähnliche Tendenzen gibt. Geht man etwa davon aus, dass ein Teil der politischen Bildung über die Schulen vermittelt wird, muss man einfach sehen, dass die Multiplikatoren, also die Lehrer, nicht genügend dafür ausgebildet sind.

Waldemar: Die Konferenz war ja eine Art Testballon für eine langfristig angelegte Arbeit  ? und es war schön, zu sehen, dass die Teilnehmer wirklich am Thema interessiert sind. Neugierig sind, wie es in anderen Ländern läuft. Es gab über die Konferenz hinaus noch soviel Gesprächsbedarf, dass wir beschlossen haben: Es geht weiter!

Und was genau ist geplant?

Waldemar:
Wir möchten weitere Tagungen zum Thema durchführen. Diesmal standen die Länder Tschechien, Lettland, Ungarn und Polen im Mittelpunkt ? das nächste Mal könnte es andere Schwerpunkte geben.

Nora: Unklar ist noch der Ort: Soll Kreisau als fester Konferenzort beibehalten werden oder möchten wir ein rotierendes System in MOE? Oder sollten wir uns vielleicht an bereits bestehende internationale Kongresse zum Thema einklinken und hier den Bereich MOE abdecken?

Du sagst es ? es gibt bereits viele Veranstaltungen, die sich dem Thema widmen. Was hat MitOst speziell zu bieten?

Nora: Auf den europaweit organisierten Tagungen zum Thema politische Bildung sind Länder aus MOE nicht markant vertreten. Ihre Erfahrungen und Perspektiven sind also unterrepräsentiert. Mit seiner MOE-Kompetenz füllt MitOst füllt hier eine Lücke.

Waldemar: Politische Bildungsarbeit ist generell ein noch junges Gebiet, wenn man an Europa denkt. Systematisch und strukturiert arbeitet bislang vor allem Deutschland. Weil das Thema in der EU-Bildungspolitik immer wichtiger wird, schaut man jetzt im internationalen Vergleich, was es für Ansätze gibt. MitOst kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.