K u l t u r s c h o c k - s ch o c k i e r e n d n o r m a l ?
Fast jeder Kulturkontakt kann mit der Theorie des Kulturschockes beschrieben werden, die die Entwicklung in Form eines „U“ beschreibt: Nach einer anfänglichen Hochphase, in der alles Neue sehr positiv wahrgenommen wird, folgt meist ein Stimmungsabfall. Man fühlt sich verloren, verunsichert und orientierungslos in den fremden Lebens- und Verhaltensmustern. Am Ende vollzieht sich ein langsamer Anstieg, in der meist ein Teil der unbekannten Umgebung wieder angenommen wird und die eigene Kultur positiv aufgewertet wird.
Darüber haben die Teilnehmer der Diskussionsrunde in Berlin
am 19.05.2008 diskutiert.
"Kulturschock (überwinden?)
In der gestrigen Diskussionsrunde, an der ca. 9-10 Personen teilnahmen, wurden in erster Linie Erfahrungen über zurückliegende oder gegenwärtige Auslandsaufenthalte gewechselt. Die Theorie des Kulturschocks (Oberg 1960) und ihre einzelnen Phasen dienten dabei als Leitfaden, der nach und nach mehr oder weniger dekonstruiert wurde, und wenn die Theorie im Groben zutraf, so gab es doch relativ viele Punkte, die mit den persönlichen Erfahrungen der Diskussionsteilnehmer nicht vereinbar waren. Ausschlaggebend waren hier scheinbar Elemente wie der soziale Hintergrund, die Beweggründe für einen Auslandsaufenthalt (Sprache lernen, berufliche Perspektiven vergrößern etc. oder einfach „Urlaub“), oder etwa die Unterschiede der fremden Kultur zur eigenen (umso andersartiger das Gastland, desto größer der Kulturschock). Interessant (und amüsant) war auch die unterschiedliche Rezeption der Kulturschock-Grafik bei den weiblichen (8) und den männlichen (2) Teilnehmern: während die Frauen mit dem vorgegebenen Stimmungs- oder Talfahrtsmodell (1) Euphorie... 3) Kollision... 5) Akkulturation) eher weniger Probleme hatten, die einzelnen Punkte aber trotzdem kritisch beleuchteten, stellten die Männer das Modell lieber auf den Kopf (1) Kollision... 3) Euphorie... später leicht abfallend oder stagnierend), was, unsere kleine Diskussionsrunde betreffend, vielleicht die stereotype Annahme zulässt, dass Männer einen Auslandsaufenthalt pessimistischer, realistischer (, pragmatischer?), die Frauen hingegen idealistischer und euphorischer angehen. Das ist jedoch reine Spekulation, da eine 10-köpfige Diskussionsrunde nicht besonders repräsentativ ist. Denn ich gehe davon, dass die Theorie des Kulturschocks auf tausenden Erfahrungen von Student(inn)en vieler Nationen beruht, und sie somit ihre Berechtigung hat. Womit meine Erkenntnis am Ende der Diskussion, Ich bin nicht allein, in jedem Fall auf Zustimmung stieß, allerdings auch den höchsten Grad der Banalität erklomm."
Max Unbekannt.
Die Diskussionsrunden finden im Rahmen des Filmprojekts "Zwischen Welten" statt, welches vom MitOst-Verein gefördert wird. Deswegen werden sie auch auf Video dokumentiert.