Man möge denken, dass mit dem Wort Osten eine eindeutige Richtung gemeint ist, und zwar die Himmelsrichtung dorthin, wo die Sonne aufgeht. Dass dem nicht so ist und dass dem vor allem aus dem Blickwinkel der Deutschen nicht so ist, legt Wolfgang Wippermann in dem vorliegenden Buch sehr übersichtlich dar. Dabei verzichtet er größtenteils auf tiefgründige Details, was den Inhalt des Buches ein wenig oberflächlich anmuten lässt. Dennoch bekommt man durch seine niedergeschriebenen Gedanken, die sehr folgerichtig, chronologisch und schlüssig zu lesen sind, einen Eindruck von dem Gefühl, dem Verhältnis der Deutschen zum Osten. Hierbei geht es aber wie gesagt nicht nur um den einen Osten, sondern vielmehr um vier verschiedene, die sich zum Teil überschneiden oder auch widersprechen. Der orientalische Osten, der europäische Osten, der politische Osten sowie der religiöse Osten sind mit einem Kompass nicht immer in östlicher Richtung angesiedelt, vor allem nicht aus deutscher Sicht. Und dennoch existieren diese verschiedenen Geostereotypen, wie Wippermann sie nennt, neben und miteinander.
Wer schon immer einmal nachvollziehen wollte, woher die Angst der Deutschen vor dem Osten kommt, warum sie sich hin und her gerissen fühlen, mal euphorisch nach Osten drängen, andererseits apathische Angst vor dem Osten haben, der sollte sich das Buch zur Hand nehmen und über die Argumente, Ereignisse und Fakten des Titels „Die Deutschen und der Osten“ nachdenken. Tiefgründige Erklärungen wird man darin nicht finden, doch das ausführliche Literaturverzeichnis lädt den interessierten Leser zu weiterführenden Studien ein. Das im Verlaufe der Geschichte immer wieder schwankende Verhältnis der Deutschen zum Osten ist hier nachzulesen.
von Tino Rasche