Eszter Kováts ist ehemalige Kollegiatin des Theodor-Heuss-Kollegs und seit Oktober 2007 ehrenamtlich im MitOst-Projektbeirat tätig. Sie kommt aus Gödöllõ, einer kleinen Stadt in der Nähe von Budapest. Eszter studierte Germanistik und Romanistik in Pécs, lebte ein halbes Jahr als Erasmusstudentin in Paris und hospitierte in der Programmkoordination des Theodor-Heuss-Kollegs in Berlin. Ab Mai 2008 steht ihr ein Freiwilligendienst in der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar bevor.
Ivelina Kovanlaschka sprach mit Eszter Kováts über interkulturelle Kommunikation, große Projektpläne und persönliche Reisewünsche.
Eszter, du deckst mit deiner Biografie die Achse Pécs – Berlin – Paris ab. Welche Wörter fallen dir spontan zu den Städten ein?
Berlin - Raum, Pécs - Wärme, Paris - Rausch.
Und jetzt etwas genauer: Was gefällt dir an Pécs?
Ich wohne seit sechs Jahren in Pécs und liebe die Stadt. Sie ist groß genug um immer etwas Neues zu entdecken, dabei aber so übersichtlich, dass man auf den Straßen oft Bekannten über den Weg läuft. Im Sommer ist wenig los, aber übers Jahr verteilt gibt es viele Festivals und Konferenzen.
Und an Berlin?
Ich mag, dass die vielfältige Geschichte der Stadt so sichtbar ist. Am meisten faszinieren mich das sowjetische Denkmal im Treptower Park und die verwaiste amerikanische militärische Basis am Teufelsberg. Mir gefällt auch, dass freitags und samstags Nacht der öffentliche Verkehr nicht zur Ruhe kommt - das fördert das soziale und kulturelle Leben.
Paris – was sagt dein Gefühl hier?
In Paris habe ich sechs Monate studiert und gejobbt. Mir gefällt die Architektur, schon sie allein schafft Atmosphäre. Ich mag den Tangotanzplatz am Ufer der Seine, die kleinen Art-Kinos, die Cafés, in denen man auch im Winter draußen sitzen kann. Die Gegensätze der Stadt verblüffen mich: Diese Unmengen kultureller Angebote und der Konsumrausch, das Freiheitsgefühl und der Anpassungsdrang…
Du hast früh angefangen, deutsch zu lernen und warst oft in Deutschland. Was magst du an dem Land?
Die Bereitschaft zum Perspektivenwechsel und die Diskussionskultur. Das waren und sind die Dinge, die ich am meisten an den Deutschen schätze.
Was verbindest du mit dem Schlagwort „interkulturelle Kommunikation“?
Ich habe einmal mit einem Franzosen und einem Slowaken in einer WG gewohnt. Der Franzose schrieb gerade seine Magisterarbeit über ein Ereignis der ungarischen Geschichte, das wir mit den Slowaken teilen. Es war ein spannendes und keinesfalls konfliktfreies Zusammenwohnen. Aber nicht nur deshalb. Wir beurteilten oft die Reaktionen anderen Personen mit "wie kann jemand so denken"? Mit der Zeit wurde immer deutlicher, welche Rolle das Kulturelle bei Alltagsthemen wie Haushalt, Essen oder Qualitätsbedarf spielt und wie unterschiedlich unsere Ausgangssituationen sind. Die Phase, in der jeder von uns dachte: „Es wird nie funktionieren, die anderen sind einfach blöd“, haben wir überwunden. So eine Einsichts- und Reflexionsentwicklung ist für mich interkulturelle Kommunikation.
Wie bist du zu MitOst gekommen?
Der intensive interkulturelle Austausch während des Sommerseminars vom Theodor-Heuss-Kolleg hat bei mir das Interesse für MitOst als Raum für die Kontaktpflege und für neue (inter)kulturelle Impulse und Bekanntschaften geweckt. Auf dem Festival 2007 wurde ich in den Projektbeirat gewählt. Die Arbeit dort bietet die Auseinandersetzung mit klugen Projektideen und die Begleitung ihrer formellen Entwicklung. Außerdem lerne ich viel von meinen Beiratskollegen.
Und was für ein Projekt würdest Du selbst gern machen, wenn Du genügend Geld hättest?
Wenn ich meinen Freunden in Ungarn vom Theodor-Heuss-Kolleg erzähle, reagieren die entweder mit einem zynischen Lächeln oder begeistert - nach dem Motto: "So etwas bräuchten wir auch!“ Beide Reaktionen zeigen, dass solch ein Riesenprojekt Sinn hätte. Aber das ist natürlich nicht nur eine Geldfrage.
Nach Paris und Deutschland – wohin zieht es dich vielleicht demnächst einmal?
Nach Bulgarien natürlich :) Außerdem nach Island und Griechenland. Auch nach Argentinien und Kasachstan.