Yesim



Novelle



Svetlana Žuchová; L.C.A. 2006, 95 Seiten



Yesim
ISBN 8-089-12986-2

„Fortgänge, Rückkehr, Einsamkeit, Entfremdung, Fremdheit…“  Das sind die zentralen Begriffe dieser in analytischem Monolog geschriebenen  Novelle.

Hauptprotagonistin Yesim ist Tochter türkischer Einwanderer. Sie lebt in Wien, gehört doch nirgends hin. Dieses Trauma versucht sie zu überwinden. Um jeden Preis. Immerwährend floh sie. Aus einer Situation hinein in eine andere.  Aus einem Ort in einen anderen. Genauso, wie es auch die Immigranten empfinden. Yesim gehört nicht mehr in die türkische Familie, sie ist endlich frei. Aber um welchen Preis? Ist es wertvoll? Gibt es Gleichheit zwischen äußerer und  innerer Freiheit? Diese und noch mehrere Fragen stellt sich Yesim und sie versucht sie auch zu beantworten.

Von außen: eine unabhängige Künstlerin.

Von innen: eine einfache, zerbrochene und frustrierte Frau, die von ihrem Liebhaber Max abhängig ist.

Die Novelle bildet meistens Vorstellungen. Vorstellungen…..Was wenn? Was falls?

Ständig versucht sie, anders als ihre Mutter zu leben. Innerlich wünscht sie sich das gleiche. Sich um jemanden kümmern, jemanden lieben und eine richtige Heimat dazu. Ist es ein Ort? Ist es nur abstrakt? Oder sind wir es selbst? Svetlana  Žuchová sagt: „Die Heimat ist dort, wo wir es problemlos schaffen, auch in der Dunkelheit und ohne Licht, ein Glas mit Wasser auszufüllen.“  Das hat Yesim leider  nicht.

Yesim, das ist Bedarf. Bedarf sich aussprechen.  Mit Vergleichungen und mit Grenzenübertritt der Deutlichkeit.  Alles wiederholt sich. Nur Irrungen, Wirrungen. Und genauso wie die Werke von österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard, die so oft im inneren Monolog geschrieben sind, soll man auch  das Buch von dieser, nicht sehr berühmten, slowakischen Schriftstellerin, am Stück lesen.

Die Fremdheit tragen wir alle in uns. Es ist die Individualität, die Einsamkeit und die Angst.

von Zuzana Lacuchova