Nach einem plötzlichen und frühen Tod findet sich der Held des Romans, ein behäbiger und trotteliger Redakteur der Humorabteilung des rumänischen Fernsehens mit Namen Gavrilă G. Gavrilă, im Himmel wieder. Ohne sich Fragen zu stellen folgt Gavrilă bei seiner Ankunft einem im Alltag im kommunistischen Rumänien gut trainierten Reflex und stellt sich an einer der beiden Schlangen an, die er vorfindet. Eine Leidensgenossin klärt ihn darüber auf, dass nur wer im Besitz eines Bons sei – schwarz für die Hölle oder weiß für das Paradies – in die jeweiligen Bereiche des Himmels eingelassen werde und Gavrilă sich besser beeile einen solchen vom Erzengel Michael abzuholen, anstatt umsonst Schlange zu stehen. Es stellt sich jedoch heraus, dass Gavrilă in keiner der Listen der „frisch Verstorbenen“ steht, über die der Erzengel in bester Beamtenmanier waltet. So von der Verteilung der Bons ausgeschlossen, beginnt für Gavrilă eine Irrfahrt durch den Himmel, auf der Suche nach einer Lösung seiner unklaren Situation und unbeirrbar auf eine Audienz bei Gott hoffend.
Er lernt seltsame Wesen von fernen Planeten und aus ihm fremden Universen kennen und macht die Bekanntschaft der Märchenprinzessin Rozamunda, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Das schöne Wesen eröffnet ihm, ihr ganzes Leben auf ihn gewartet und ihn durch eine Glaskugel beobachtet und bestaunt zu haben: Hingerissen von der Schönheit und Abenteuerlichkeit seines Lebens als Fernsehredakteur sehne sie sich nach nichts anderem, als den Alltag eines Angestellten in Bukarest zu teilen - tägliches Aufstehen im Morgengrauen, die Fahrt in überfüllten Troleibussen, das routinierte Unterzeichnen der Anwesenheitsliste, vor allem aber die Teilnahme an endlosen Sitzungen aller Art – Gewerkschaftssitzungen, Belegschaftssitzungen, Produktionssitzungen, Redaktionssitzungen, etc.
Durch Zufall erfährt Gavrilă von der Möglichkeit eine Pauschalreise in die Hölle zu buchen, einem ganz und gar nicht tristen Ort, an dem sich Teufel, Sünder, Lügner und Betrüger aller Art munter die Zeit vertreiben, und wo peinlichst auf die Aktualität und die Vollständigkeit der allgegenwärtigen guten Absichten geachtet wird. Ein Besuch bei Satan selbst erlaubt ihm einen Einblick in Aufgabenverteilung und Funktionieren des Himmels, die von Eifersüchteleien, Klüngelbildung, Schikanen, der Ineffizienz eines bürokratischen Wasserkopfs und klassischen Vertuschungsmanövern nur so strotzen. Auch Gavrilăs weitere Reise durch den Himmel, die ihn schließlich auch noch ins Paradies und zur gewünschten Audienz bei Gott führt, lässt nur den Schluss zu, dass es sich um ein höchst windiges und manipulatives System handelt, dem streckenweise eine gute Portion Paranoia nicht fremd ist. Zu den erheiternden und erhellenden Bekanntschaften im Paradies gehören der Maler Raffaele Sanzio (mit Gavrilă der einzige Mensch, der ohne Bon durch den Himmel irrt, die Situation aber für sich zu nutzen weiß) und der Prophet Moses, der ihm seine Zweifel an der Ernsthaftigkeit Gottes offenbart.
Zur Klärung seiner Situation kehrt Gavrilă letzten Endes gemeinsam mit Rozamunda und Willy, einem Detektiv der himmlischen Sicherheitsbehörde, auf die Erde zurück, wo sein plötzliches Erscheinen in einem Massenauflauf mit unwahrscheinlichen zwischenmenschlichen und bürokratischen Verstrickungen und Zwickmühlen gipfelt, wie er typischer für die rumänische Lebensart nicht sein könnte.
Die fantastischen Abenteuer Gavrilăs, die dieser auf der Suche nach einem Bon oder einer Erklärung besteht, zeichnen auf humorvolle und geschickte Weise ein Bild der Absurditäten des Alltags und der Bürokratie im kommunistischen Rumänien.
Der Autor Hary Salem (1927-1991) überlässt es dabei dem Leser, ob er Gavrilăs Geschichte als Anspielung auf das kommunistische Regime lesen möchte, oder ob er sich einfach nur an den märchenhaften und fantasievollen Begebenheiten erfreuen möchte. Der scharfe Ton der Satire geht dem Werk verständlicherweise aus politischen Zwängen zur Zeit seiner Entstehung ab. Die Kraft und Farbigkeit der Anspielungen erscheint aber deshalb nicht gemindert, sondern wird ganz im Gegenteil von der Surrealität der Szenerie unterstützt.
Hary Salem ist ein bis heute weitgehend unbekannter Autor in Rumänien, obwohl er bis zu seinem Tod eine Vielzahl von Romanen, Erzählungen, Hörspielen und Gedichten veröffentlicht hat. Gegenwärtig wird eine Neuauflage seines dichterischen Werks unternommen.
von Anja Gieger