MitOst-Projekte 2007



6. M i t O s t F o r u m   P h i l o s o p h i e

„P h ä n  o m e  n o l o g i e   i m   O s t - W e s t - D i a l o g“

P r o j e k t d o k u m e n t a t i o n

Zielona Góra (Polen), 12. bis 15. Juli 2007

Gefördert von der Schering Stiftung

Partner: Institut für Philosophie der Universität Zielona Góra

P h i l o s o p h i e   g r e n z ü b e r -
s c h r e i t e n d   i n  M O E

In Zielona Góra (Westpolen) trafen sich zehn junge PhilosophInnen aus Deutschland, Polen, der Ukraine, Lettland und Slowenien, um miteinander grenzüberschreitenden Gedankenaustausch zu untersuchen und zugleich zu praktizieren. Gegenstand der Referate und Diskussionen war der Ideentransfer innerhalb der phänomenologischen Bewegung, der im zwanzigsten Jahrhundert unter jeweils verschiedenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in verschiedenen europäischen Ländern zu sehr unterschiedlichen Ansätzen und Ausprägungen führte und sich dennoch aus gemeinsamen Quellen speiste. Ein Ergebnis des Forums ist eine Europa-Landkarte des Gedankenaustausches, auf der die thematisierten Wechselbeziehungen festgehalten wurden.

„E t h i k   d e r   S o l i d a r i t ä t“

Seit einigen Jahren organisiert MitOst Treffen junger PhilosophInnen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa an Universitäten verschiedener Länder. Gastgeber des diesjährigen 6. MitOstForums Philosophie war die Universität Zielona Góra in Westpolen, wo MitOstMitglied und Projektleiter Enrico Sperfeld (Dresden) derzeit gemeinsam mit polnischen Kollegen über den Solidarnosc-Philosophen Józef Tischner forscht.

Das Beispiel Tischners in Polen zeigt eindrucksvoll, wie die Lektüre von Schriften phänomenologischer Autoren aus anderen europäischen Ländern für die philosophische Diskussion der eigenen Nationalkultur besonders fruchtbar gemacht werden kann. Als Phänomenologe und Dialogphilosoph war Tischner im sozialistischen Polen weitgehend isoliert. Die Bekanntschaft mit deutschen und französischen Phänomenologen ermöglichte ihm jedoch eine wirkungsvolle und originelle Position in der Auseinandersetzung mit dem marxistischen Mainstream der polnischen Öffentlichkeit. Seine „Ethik der Solidarität“ formuliert den Geist, aus dem heraus der weitgehend friedliche gesellschaftliche Wandel in den ehemals sozialistischen Staaten möglich wurde. Keinem westeuropäischen Phänomenologen war es zuvor beispielsweise gelungen, den dialogphilosophischen Ansatz so konsequent auf den Arbeitsbegriff anzuwenden, wie es Tischner in der historischen Situation der Auseinandersetzung mit dem ideologischen Marxismus in Polen tat.

„E u r o p a - L a n d k a r t e   d e s
G e d a n k e n a u s t a u s c h e s“

In ihren Vorträgen verfolgten die Teilnehmer des MitOstForum die Auswirkungen des europaweiten Ideentransfers bei Tischner und Philosophen wie etwa Max Scheler, Simone de Beauvoir oder Roman Ingarden. Im Anschluss an die Referate wurden Parallelen und Unterschiede zwischen den verschiedenen Konzepten diskutiert. Die Wechselwirkungen wurden auf einer „Europa-Landkarte des Gedankenaustausches“ festgehalten, die zusammen mit den Referaten in einem Sammelband veröffentlicht werden soll.

Das MitOstForum Philosophie untersuchte nicht nur den wissenschaftlichen Austausch über Grenzen hinweg. Es praktizierte ihn zugleich durch das Zusammentreffen von Teilnehmern aus mehreren mittelosteuropäischen Ländern, deren Kooperation durch die persönlichen Kontakte initiiert werden sollte. So gab es einen lebhaften Austausch über unterschiedlichen Strukturen und Bedingungen in den Herkunftsländern der Teilnehmer – in Slowenien, Polen, der Ukraine, Lettland und Deutschland. Alle Teilnehmer verfügten über gute Deutschkenntnisse, so dass die Verständigung während der Diskussionen wie auch am Rande des Forums keine Probleme bereitete.

R a h m e n p r o g r a m m

Zum Rahmenprogramm gehörte neben einer Stadtführung durch Zielona Góra auch eine Wanderung in das Freilichtmuseum Ochla, wo auch einer der Vorträge stattfand. Mit einem Film wurden die Teilnehmer in die Schwierigkeiten der deutsch-polnischen Beziehungen eingeführt.

Leider konnte zwei Novosibirsker Bewerberinnen die Flugreise nicht finanziert werden. Zudem sagten zwei Teilnehmer kurzfristig ab, wodurch der inhaltliche Input des Forums geschmälert wurde. Wir hoffen auf ein Folgeprojekt im nächsten Sommer, zu dem die slowenischen Teilnehmer an die Universität Koper einladen wollen.