MitOst-Mitgliederreise Belarus - Litauen 2003



Im Zug nach Minsk
Im Zug nach Minsk

24. Juni bis 06. Juli 2003

Projektleiter:

  • Julia Matlach (deutsche Projektleiterin)
  • Maria Ignatenko (weißrussische Projektleiterin)

Teilnehmerzahl:

insgesamt 11 Personen (fünf deutsche Teilnehmer und sechs weißrussische Teilnehmer)

Zeitplan:

  1. Weißrussland: Ankunft in Minsk am 25.06.03 - Aufenthalt bis zum 30.06.03 (Aufenthalt = sechs Tage)
  2. Litauen: 01.07.03 bis 06.07.03 (insgesamt vier Tage Vilnius und zwei Tage Nida/Kurische Nehrung)

Ziele und Erwartungen:

  • Kennenlernen der Besonderheiten und Verflechtungen der weißrussischen, litauischen, polnischen und preußischen Kultur in der o.g. Region in Geschichte und Gegenwart.
  • Suche nach kulturellen und linguistischen Parallelen in der Geschichte zwischen Weißrussland, Polen, Litauen und Deutschland.
  • Einblicke in das Leben der Litauer in Weißrussland und der Weißrussen und Preußen in Litauen.

Vorbereitung:

Inhalt und geplante Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Institutionen:

  • Archäologisches Institut der Akademie der Wissenschaften von Weißrussland
  • Litauische Gemeinde in Minsk
  • Treffen mit zwei bekannten weißrussischen Volksmusikern (Kennenlernen der traditionellen Volksmusik und Volkstänze)
  • "Neue Gruppe" (SCI Zweig)
  • Weißrussisches Gymnasium in Vilnius
  • Thomas-Mann-Haus in Nida (Kurische Nehrung - Litauen)

Ablauf, Schwierigkeiten und Probleme:

Von Anfang an war den Organisatoren des Projektes nicht ganz klar, ob dieses wirklich statt finden wird. Die Berliner Organisatoren trauten den Organisatoren in Weißrussland nicht zu, alles zeitgemäß durchzuführen. Es gab viele Kommunikationsprobleme per E-Mail und das ganze Projekt wurde permanent in Frage gestellt. Deshalb fand die Ausschreibung des Projektes auf der MitOst-Website sehr spät statt, sodass sich nur wenige Teilnehmer für das Projekt in so knapper Zeit entscheiden konnten. Allerdings erwies sich im Nachhinein eine kleinere Gruppe von Teilnehmern als sehr angenehm.

Holzhaus an der Memel
Holzhaus an der Memel

Durchführung:

Projektverlauf, Änderungen gegenüber der Planung:

  • 25. Juni

    Wie geplant trafen sich die Teilnehmer der Projektreise zu Beginn in Minsk. Jedem Teilnehmer wurde sein Gastgeber zugewiesen. Am Abend versammelten sich alle Beteiligten zum Kennenlernen und zur Vorstellung der Projektreise.
    Während unseres Aufenthaltes in Weißrussland besichtigten wir erst einmal die Hauptstadt Minsk. Der weißrussische Teilnehmer Oleg Geidukewish übernahm die historische Führung in Weißrussland und auch später in Litauen. Desweiteren trafen wir uns am gleichen Abend mit dem Archäologen Vadim Beljavetz vom Institut für Geschichte an der Akademie der Wissenschaften. Thematik: "Goten und a5_teilnehmer.jpgltgermanische Stämme auf dem Territorium von Weißrussland". Später folgte ein Treffen mit Uladzj Bjarberau von der Volksmusikgruppe "Lizwini", welcher uns in die altweißrussische Volksmusik einführte.

  • 26. Juni

    Am Vormittag besichtigten wir das Museum für altweißrussische Kultur. Am Nachmittag trafen wir uns im Büro der "Neuen Gruppe" (SCI Zweig), sprachen über deren Aktivitäten im Jugendsektor und verglichen diese mit Deutschland. Immer wieder sprachen die Teilnehmer auch offen über die kritische politische Situation von Weißrussland als Diktatur. Am frühen Abend wurde das Museum des weißrussischen Dichters Maksim Bahdaniwitsch extra für die Gruppe angemietet. Nach der Besichtigung des Hauses, im welchem er einst lebte und arbeitete, spielten die Volksmusiker Alesj Losj und Jusef Mihalousky auf mittelalterlichen Instrumenten, welche uns in diesem Zusammenhang auch erklärt wurden. Wir lernten von ihnen typische weißrussische und polnische Folkloretänze (z. B. Polka, Spatz), welche wir dann zu authentischer Musik einübten.

  • 27. Juni

    Erste geplante Tagestour in Weißrussland (Minsk - Nesvish - Mir - Fluss Neman - Seorsy - Navagrudak - Svitjazj See - Minsk). Wir besichtigten mehrere mittelalterliche Burgen und die Gegenden, welche mit dem Leben und Schaffen des Dichters Adam Mickiewicz zusammenhängen, wie z. B. das berühmte Mickiewicz-Haus in Navagrudak, die romantische Landschaft um den Svitjazj See und den Nationalpark Naliboksaja Putschtscha.

  • 28. Juni

    Gemeinsame Minsk-Stadtbesichtigung sowie Rundgang durch die Altstadt. Danach Freizeit für alle Teilnehmer.

  • 29. Juni

    Zweiter Ausflug ins weißrussische Umland (Minsk - Rakov - Volozin - Losk - Visnevo - Bohdanov - Goljschany - Boruny - Kreva - Fluss Vilja - Zalesje - Minsk). Besichtigung von mehreren historischen, mittelalterlichen Burgen, Orten und Schlössern, wie z. B. der Salesseder Hof von Mihal Kleanfans Aginski. Desweiteren besichtigten wir einen alten deutschen Kriegsfriedhof aus dem 1. Weltkrieg.

  • 30. Juni

    Ausflug nach Saslavlj. Besuch einer typischen weißrussischen Datscha sowie einiger heidnischer Kultstätten in der Umgebung. Auf der Datscha trafen wir den berühmten weißrussischen Schriftsteller Maksim Klimkowitsch. Mit der Gastgeberin, einer Journalistin, sprachen wir wiederholt über die politische Lage in Weißrussland und ihrer von der Regierung zensierten journalistischen Tätigkeit. Am späten Abend grillten wir und feierten den Abschied von Weißrussland. Der Musiker Igar Wojnitsch von der Musikgruppe "Camelot" begleitete uns beim Singen von deutschen und weißrussischen Liedern auf der Gitarre.

  • 01. Juli

    Überfahrt nach Vilnius. Kleine Stadtrundfahrt und Ausflug in die Museen.

  • 02. Juli

    Treffen mit Halina Siwalawa, der Direktorin des weißrussischen Gymnasiums in Litauen. Gespräche und Diskussion über die Lage der Weißrussen im Ausland und in Litauen und über die Erhaltung der weißrussischen Kultur in Weißrussland und die Schwierigkeiten, welche sich aufgrund der aktuellen politischen Situation dort ergeben.

  • 03. Juli

    Besuch des Frauenzentrums "Nendre" in Vilnius. Gespräche über die Probleme von alleinerziehenden Müttern und deren Armut. Besichtigung des Kindergartens und Auseinandersetzung mit den Projekten, welche die Organisation initiiert. Thematisierung der typischen Problematik von Auftreibung von Spendengeldern, welche weiterhelfen könnten etc.. Teilnahme an der offiziellen 750 Jahresfeier der Stadt Vilnius anlässlich der Krönung von Mindaugas, des ersten Königs von Weißrussland und Litauen. Beteiligung am Musikfestival, Erlernen von Volkstänzen und Besichtigung der offiziellen Staatszeremonie.

  • 04. Juli

    Busfahrt an die Kurische Nehrung und russische Grenze. Abendveranstaltung im Thomas-Mann-Haus in Nida. Besichtigung der dortigen permanenten Ausstellung vom Leben und Schaffen Thomas Manns. Am Abend trafen wir im Thomas-Mann-Haus eine Ethnologin und Journalistin aus Berlin, welche für das Max-Planck-Institut eine aktuelle Studie durchführt (Thematik: "Die Preußen, ihre Geschichte und Kultur in Litauen"). Es entstand eine angenehme Gesprächsrunde am Kamin bei Wein und Käse. Man tauschte Ansichten und Meinungen aus und alle Teilnehmer resümierten noch einmal zum Abschied ihre auf der Projektreise gewonnenen Eindrücke.

  • 05. Juli

    Besuch des Nationalparks der Kurischen Nehrung und Ausflug zur größten Düne der Kurischen Nehrung (Aufklärung über deren für die Ökologie der Region gefährliche Sandverschiebung durch das Begehen der Düne durch die Touristen). Besichtigung des deutschen Friedhof in Nida, gleich hinter dem Thomas-Mann-Haus und Rückfahrt nach Vilnius. Am Abend Besuch eines modernen, klassischen Konzerts mit visuellen Bildprojektionen an die Kathedrale im Rahmen der 750 Jahresfeier.

  • 06. Juli

    Teilnahme am Abschlussfest der 750 Jahresfeier in Vilnius. Heimreise aller Teilnehmer.

Wichtige Änderung im Projektverlauf: Das Projekt wurde um drei Tage verlängert, um die Kurische Nehrung zu besuchen, weil dort viele deutsche Einflüsse zu finden sind und dies ins Gesamtbild des Projektes passt.

Bewertung

Es gab sowohl organisatorische wie auch inhaltliche Schwierigkeiten. Viele bereits organisierte weißrussische Referenten sagten kurzfristig ihre Teilnahme ab. Die Gründe ihrer Absage waren oftmals wirtschaftlicher Art, d. h. sie erhielten in der Zwischenzeit einen bezahlten Auftrag (was aufgrund der derzeitigen schlechten wirtschaftlichen Situation in Weißrussland auch durchaus verständlich ist). Wir konnten und wollten aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel nicht mehr Geld bezahlen als geplant. Desweiteren wollte die Projektleitung den Teilnehmern auch einen gewissen Spielraum in der Gestaltung der Projektinhalte lassen, was sich während der Reise als Fehler erwies, da die deutschen Teilnehmer manchmal andere Projektinhalte bevorzugten als die weißrussischen. Außerdem ergaben sich Probleme aufgrund der unterschiedlichen Mentalität und Vorstellungen, was die Organisation betraf.

Einige Teilnehmer vor den Umrissen Weißrusslands
Einige Teilnehmer vor den Umrissen Weißrusslands

Perspektiven:

Ein geplantes Projektziel wurde bspw. nicht erreicht. Wir wollten die litauische Gemeinde in Weißrussland kennen lernen, aber aufgrund zeitlicher Diskrepanzen und Missverständnisse zwischen den Organisatoren konnte dies leider nicht geschehen. Ein weiteres Ziel wurde nicht weiter verfolgt (ebenfalls aufgrund organisatorischer Differenzen): Der Vergleich zwischen der weißrussischen und der deutschen Sprache.

Alle Projektteilnehmer erhielten unseres Erachtens einen guten Eindruck in die weißrussische und litauische Kultur in beiden Ländern bzw. über die Verflechtungen der geschichtlichen Ereignisse von Litauen, Weißrussland und Polen. Auch die deutschen Einflüsse und Verflechtungen der Kulturen vor dem ersten Weltkrieg wurden deutlich ausgearbeitet. Einige deutsche Teilnehmer erinnerten sich z. B. an Erzählungen ihrer Großeltern, welche ursprünglich aus den besuchten Gebieten kamen und erst während des Zweiten Weltkriegs nach Berlin übersiedelten. Außerdem war der Unterschied zwischen einem Leben in Litauen (westlich orientiert) und einem Leben in einer Diktatur (Weißrussland) beeindruckend spürbar.

Trotz aller Schwierigkeiten finden wir, dass das Ziel unseres Projekts erreicht wurde und das Projekt gelungen ist und vor allen Dingen, sehr viel Spaß gemacht hat.

Es entstanden viele persönliche Kontakte, sogar Freundschaften, zwischen einigen Teilnehmern. Die Teilnehmer auf der weißrussischen Seite wurden durch das Projekt motiviert, die deutsche Sprache zu erlernen bzw. zu verbessern und umgekehrt wurden auf deutscher Seite bereits Russischkurse belegt. Einige weißrussische Teilnehmerinnen besuchten bereits Berlin. Von weißrussischer Seite wurden bereits Ideen für ein neues Projekt angedacht.