Mitgliederreise Sibirien Juni 2003Tage-Bilder-Buch - Drei Wochen SibirienStationen: Nowosibirsk, Tomsk, Irkutsk, Alte Baikalbahn, Insel Olchon 30. Mai 2003In Taiga haben wir fast fünf Stunden Aufenthalt. Es lohnt sich aus dem Zug zu steigen und die Gegend zu erkunden. [...] Als Almut und ich über die Fußgängerbrücke zur anderen Bahnhofsseite hinuntersteigen, springt uns sofort die Musik in die Ohren. Hier ist überall Leben am frühen Abend, dort ein Feuerchen, an dem gesungen wird, verstreut kleine Grüppchen von Menschen. Wir folgen dem Klang der Musik und erreichen schnell eine Art Turnhalle, vor der einige Autos mit eingeschalteten Scheinwerfer und laut tönendem Radio stehen. Auf dem Treppenpodest vor dem Eingang haben sich viele junge Männer in Lederjacken versammelt. "Eine Dorfdiskothek". Neugierig schauen wir hinein. Drinnen wird getanzt, [...] es werden ausschließlich russische Hits gespielt. Wir tanzen, bis wir nicht mehr können und nach Atem ringen. Schließlich ist man nun doch keine 20 mehr. Am Ende des Abends stimme ich lauthals in den russischen Pop mit ein. Habe mich schon lange nicht mehr so wohl gefühlt. Der Abend endet mit einer lustigen Wodkarunde im Zug. Und plötzlich beim dritten oder vierten Trinkspruch bewegt sich der Zug. Erst einige Male hin und her, so werden die Waggon miteinander verkoppelt, und endlich wieder weiter Richtung Osten. Die Bewegung des Zuges verfolge ich zunächst noch am offenen Fenster und später wiegt mich dann das beständige Ruckeln der Waggons auf den unebenen Schienen am Ende eines langen, aufregenden Reisetags in Sibirien angenehm in den Schlaf. (Lenore) Das Leben hier kommt mir viel fremder vor als alles, was ich in Asien erlebt habe. (Anna) 1. Juni 2003Nach zwei Stunden kam dann eine Meldung, dass wir in wenigen Minuten in Moskau ankommen würden. Das Flugzeug schien wieder kleinere Schwierigkeiten zu haben, verursacht durch die Löcher in der Atmosphäre und das Teil der Innenverkleidung brach nochmals ab, so dass man sehr gut verschiedene Rohre und Kabel sehen konnte. Auch wenn wir schon die Gipfel der Bäume sahen, war ich immer noch nicht sicher, dass wir diesen Flug überleben würden. Aber als das Flugzeug auf der Moskauer Flughafengelände landete, war unsere Furcht vorbei und alle jauchzten vor Freude, klatschten und bejubelten den russischen Piloten. (Kamila)
3. Juni 2003Die Studenten glänzten durch Unpünktlichkeit und mangelnden Respekt vor ihrer Dozentin. [...] Der Unterricht reizte mich eher zum Schmunzeln: Schon der Raum war wirklich "sehenswert" - viel zu klein: jeweils drei StudentInnen mussten sich zwei Stühle teilen, wie die meisten ihre Plätze bei der Enge überhaupt erreichen konnten, blieb ein Rätsel. An den Wänden bröckelte der Putz und floss eine rostbraune Flüssigkeit herab. Die Dozentin glänzte durch "hervorragenden" Frontalunterricht reinsten Wassers, dessen einzige Auflockerung und didaktisch-methodischer Höhepunkt der Einsatz einer Hörkassette zum Thema "Wohnen in Deutschland" war. Lag es an der Kassette oder am Abspielgerät - jedenfalls konnte selbst ich kaum verstehen, was hier wiedergegeben wurde. (Boris) Es war viel wärmer als erwartet! (Lenore) 3. Juni 2003Nachmittags sind wir mit dem "echten" Makler Wassilij zu zwei Ortsterminen gefahren und haben nebenbei gelernt, dass die Besitzer eines Toyota Landcruisers definitiv Gangster sind. Weshalb Wassilij aus Imagegründen nur eine normale japanische Limousine besitzt. Klang so, als ob er den Landcruiser bevorzugen würde. [...]Erinnerung an diesen Tag bleibt mir aber vor allem die Werbepostkarte, die momentan am Fuße meines Monitors lehnt: Neben dem Bild einer stilvoll und dezent verführerischen Dame steht: "Diese junge Frau ist in die renovierte Wohnung Nummer 5 eingezogen. Wir helfen Ihnen, Wohnung Nummer vier oder sechs zu bekommen." (Andreas) Für mich hat Sibirien das Außergewöhnliche verloren. (Jürgen) 3. Juni 2003 Valentina fragte mich, ob wir zu ihr nach Hause gehen wollten, oder ins Museum. Ich habe direkt gesagt: Nach Hause! Also haben wir auf dem Chinesenmarkt verschiedene Koreanische Salate bei ihrer Nachbarin eingekauft und sind dann gemütlich im Sammeltaxi zu ihr gejuckelt. Ein sehr bunter Kontinent, gemischter und abwechslungsreicher als gedacht. (Leo) 8. Juni 2003Auf der Insel: In atemberaubender Schönheit ragen zu unserer Linken zahlreiche Landzungen - wie auf Brust und Hals ruhende Wale - in den See. Der Hauptort Olchons sieht aus, wie man sich ein russisches Bauerndorf im 19. Jahrhundert vorstellt: Schlamm und Staub, Holzhütten, Hunde und Kühe, die die Straßen bevölkern. Viele Häuser haben schöne blau-weiße Fensterrahmen, jedes Haus einen Hund, dessen Rasse meist unklärbar scheint. Manchmal erkennt man in mitten in die Straße gerissenen Löchern Ansätze zu frischen Mülldeponien. (Boris) 6. Juni 2003Tat'jana erklärte Bewusstseinsgrade (Holger) Ich hatte mit mehr Kriminalität gerechnet. (Verena) 1. Juni 2003Die meisten älteren Frauen waren korpulenter Statur und sehr bunt angezogen, von vielen ging eine angenehme mütterliche Ausstrahlung aus. Die jüngeren waren sehr schön, meistens hellhaarig und an ihrer Kleidung sah ich, dass sie sich sehr von westeuropäischem Stil beeinflussen lassen. Trotz ihrer natürlichen Schönheit waren die meisten Frauen stark geschminkt. Später erfuhr ich, dass das Schminken bei einer russischen Frau einfach dazugehört. (Kamila) Markt-Impressionen (Almut) Irkutsk macht auf mich fast einen südländischen Eindruck. (Jörg) |
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