2. Internationale Werkstatt der Fremdsprachen Fremdsprache = Fremdkultur



Übersetzung
Übersetzung

von: 17 Juli 2004 bis: 1 August 2004 in: Pěčín und Rychnov

Teilnehmeranzahl:

20 Teilnehmer+ 7 Referenten

Projekt gefördert aus den Mitteln:

  • RBSG
  • deutsche Botschaft in Rumänien
  • Eigenbeteiligung

Projektdarstellung:

Fremdsprachenunterricht und Übersetzungsseminar war ein Projekt. Bei dem Übersetzen ging es darum, die beim Übersetzen auftauchenden Probleme zu erläutern, zu klären in Form von Unterricht, der sich dann diesen und ähnlichen Problemen widmete. Das geschah sowohl beim gemeinsamen Übersetzen selbst als auch als gesonderte Einheiten, eben mit diesem Fremdsprachenunterricht. Dabei ging es jeweils um die entsprechende Sprache, in die oder aus der übersetzt wurde.

Wie hat sich das Team auf das Projekt vorbereitet?

Zwei Monate vor dem Beginn des Projektes bekamen die Teilnehmer die Aufgabe, von Dr. Richard Rothenhagen vorgeschlagene Texte zu übersetzen. Es gab Schwierigkeiten, Texte einiger Autoren zu bekommen, denn meistens ging es um Autoren, deren Bücher entweder schon vergriffen oder deren Werke nicht einmal in der Bibliothek zu finden waren. Vor der Anreise bekamen aber alle Teilnehmer wenigstens einen Teil der Übersetzungen zugeschickt in Form gescannter Texte.

Bei der Auswahl der Teilnehmer hatten wir an die Interessenten, außer guter Deutschkenntnisse- wörtlich und schriftlich, keine speziellen Ansprüche. Aus Erfahrung des letzten Jahres wussten wir aber schon, dass unsere Zielgruppe HochschulstudentInnen, vor allem GermanistikstudentenInnen, sind, die beabsichtigen, sich in Zukunft einer Übersetzungstätigkeit zu widmen. Zu unserem Seminar haben sich aber auch Schülerinnen aus einem rumänischen Lyzeum in Temesvar angemeldet, deren Unterrichtssprache Deutsch ist. Auch trotz ihres niedrigen Alters verfügten alle über hervorragende Deutschkenntnisse.

Wie haben sich die Teilnehmer auf das Projekt vorbereitet?

Auf Grunde der Teilnehmeranzahl waren wir imstande drei homogene Gruppen zu bilden. Eine Gruppe haben die Teilnehmer aus Rumänien und Moldawien gebildet, für die Dr. Richard Rothenhagen vom Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur verantwortlich war. Die zweite Gruppe bildeten zwei Teilnehmerinnen aus Russland und eine aus der Ukraine, für die Marek Halo aus der Philosophischen Fakultät verantwortlich war und die letzte Gruppe haben Teilnehmerinnen aus Tschechien und ein Teilnehmer aus Deutschland gebildet, die von Kamila Nevludová geleitet wurde.

Programmerstellung

Die Übersetzungswerkstatt hatte zum Ziel die Ausdruckfähigkeit der Teilnehmer zu erweitern, ihr Gefühl für sprachliche Feinheiten weiter zu entwickeln und sich auch theoretisch mit Sprachen und Sprachunterschieden auseinander zu setzen. Auf Grunde verschiedener Textsorten wurde den StudentInnen die Vielschichtigkeit des Übersetzens vor Augen geführt. Es war interessant, die Bandbreite von Varianten zwischen wortwörtlicher und sehr freier Übersetzung zu besprechen.

Auch die Sprachvarianten waren ein wichtiger Bestandteil der Seminararbeit mit den TeilnehmerInnen. Es gab Schwierigkeiten die Grenzen zwischen dem Hochdeutschen und Alltagsdeutsch zu entdecken, denn sogar die Meinung der Muttersprachler war sehr verschieden. Ein nicht geringes Problem war auch das Übersetzen der Gedichte, besonders was den Reim und Rhythmus eines Gedichtes betrifft. Die meisten Gedichte wurden dann frei übersetzt, wobei wir darauf achteten, den Sinn des Reims nicht zu verlieren.

Der Fremdsprachenunterricht teilte sich in Gruppen mit Fortgeschrittenen und Anfängern. Auf spielerische Art und Weise lernten die Teilnehmer eine neue Fremdsprache kennen, oder sie erweiterten ihre bereits vorhandenen Kenntnisse der Fremdsprache und wandten diese praktisch im Kontakt mit den Muttersprachlern an. Mit großem Erfolg wurden im Tschechischunterricht bekannte tschechische Kinderlieder verwendet, die alle Teilnehmer schnell erlernten und zum Abschluss vor dem Publikum vorsangen und vorspielten.

Das nächste Ziel des Projektes war "eine andere Fremdkultur zu entdecken". Indem alle Teilnehmer den ganzen Tag zusammen verbrachten, bekamen sie Gelegenheit, untereinander "die Verschiedenheit zu erforschen", versuchten diese zu verstehen und mit ihr "irgendwie" auszukommen. So erlebten wir ein unterschiedliches Tafeln oder sogar einen unterschiedlichen Gebrauch der Toilette.

In der Teestube
In der Teestube

Durchführung des Projektes

  • Fremdsprachenunterricht:
    Deutsch, Tschechisch, Russisch, Spanisch und Englisch, praktisch orientierter Unterricht
  • Übersetzungsseminar:
    Die Hauptaufgabe des Seminars bestand darin, mit den StudentInnen an der Weiterentwicklung und Vertiefung ihrer Ausdruckfähigkeit im Deutschen zu arbeiten, indem man sich literarischen Übersetzungen (Erzählungen, Novellen, Texte mit dem Alltagsdeutsch, Gedichte) widmete. Die verfassten Texte aller Teilnehmersprachen wurden unter fachlicher Anleitung von Ivona Gazdíková gebunden und mit beliebigen Illustrationen ergänzt. Die gebundenen Bücher wurden dann an die meisten Teilnehmer verteilt (aus Zeitmangel und Mangel an persönlichen Kräften konnten nicht alle Teilnehmer ein Buch erhalten) und der verfasste Text steht als Anlage dieses Abschlussberichtes zur Verfügung. Die Teilnehmer haben aber die Möglichkeit, sich Bücher zu bestellen, die dann angefertigt und nachgeliefert werden. Beteiligte Sprachen, außer den oben erwähnten, waren folgende: Polnisch, Slowakisch, Rumänisch, Ukrainisch, Russisch, Bulgarisch.

Mitarbeit der Teilnehmer

Die Mitarbeit der Teilnehmer bewerte ich als sehr aktiv. Jedoch gab es ein bisschen Probleme mit rumänischen Teilnehmern, die noch Schüler sind und oft nicht so ein hohes Konzentrationsaufwand wie andere Teilnehmer entwickelten.

Welche Mittel wurden angewendet, welche Mittel haben das gewünschte Resultat nicht gebracht und warum?

Wir arbeiteten jeden Tag gruppenweise. Die einzelnen Gruppen wurden von erfahrenen Pädagogen geleitet, die über große Übersetzungsfähigkeiten verfügen. Im Fremdsprachenunterricht benutzte man als Sprechanlass auch den Videorekorder.

Wodurch wurden die Ziele realisiert?

Alle verfassten Texte veröffentlichten wir in einem Buch, das wir selber unter fachlicher Anleitung gebunden haben. Die ganze Prozedur war aber mit viel Stress verbunden, denn es gab zum Schluss wenige Teilnehmer, die die Redaktionsarbeit übernehmen konnten. Es gab insgesamt acht Fremdsprachen, aus denen übersetzt wurde und desto schwieriger war die Arbeit, alle Texte in korrekter Form zu haben. Jede Fremdsprache beansprucht eigene Buchstaben, die nicht in jedem PC vorhanden waren.

Als Teilnahmenachweis bekamen die Teilnehmer ein Zertifikat, das die StudentInnen als Nachweis ihrer Übersetzungsfähigkeit vorzeigen können.

Wie wurde das Projekt ausgewertet?

In der Umfrage haben die Teilnehmer den Seminarverlauf meistens positiv bewertet. Fast alle waren mit der Unterkunft im Internat zufrieden, einige hätten lieber das freie Zelten im Projekthaus Pecin bevorzugt. In der rumänischen Gruppe war eine gewisse Spannung spürbar, die auch bei der Auswertung herauskam. Es ging aber eher um persönliche Missverständnisse als um Probleme, die das Seminar selber betrafen. Auch die russische Gruppe erlebte bestimmte Konflikte und hitzige Diskussionen zwischen den Teilnehmern, die aber durch große Meinungsunterschiede, wie man was übersetzt, bedingt wurde.

Was hat den Teilnehmern besonders gut gefallen, was weniger?

Einige kurze Kommentare:

  • Eine rumänische Teilnehmerin: "Alles, was wir bei den Übersetzungen gemacht haben, fand ich sehr, sehr gut. Ich konnte sehr viele neue Sachen lernen."
  • Eine rumänische Teilnehmerin: "Am Anfang war es ein bisschen unorganisiert, denn man hatte kein fixes Programm für alles."
  • Teilnehmer aus Deutschland: "Die Übersetzungsarbeit war anregend und hat viel Spaß gemacht. Schade nur, dass wir nicht noch mehr Zeit zum übersetzen hatten. Der Text "Vor der Verwandlung" war meiner Ansicht nach schwer, um in diesem Rahmen übersetzt zu werden."

Gab es Probleme?

Das Übersetzungsseminar bedeutete sowohl für die Organisatorin als auch für die Teilnehmer eine neue Erfahrung. Ich als Projektleiterin habe daraus gelernt, dass ich so ein Seminar an einem Ort organisieren sollte, wo ich alle Absprachen mit allen Dazugehörigen persönlich treffen kann, denn etwas zu organisieren, wo man selber nicht wohnt, ist keine einfache Sache. Dadurch können viele Missverständnisse entstehen, die man sonst vermeiden kann.

Welche Auswirkungen hat das Projekt auf die Gruppe, Teamarbeit und Erfahrung Einzelner?

Die Idee, das Seminar international zu gestalten, wurde erfüllt und so gewann das Seminar an Attraktivität und Vernetzung mit einer anderen Sprache/Kultur. Wir haben alle dazu gelernt, dass man die beiden Begriffe nicht trennen kann und dass man jedes Mal beides verbinden muss. Zugleich haben wir die Möglichkeit bekommen, die verschiedene Problematik des übersetzens zu erörtern, zu der normalerweise an den Unis, sogar an Germanistikinstituten, keine Zeit bleibt.

Auch der Fremdsprachenunterricht gewann an Wichtigkeit und Bedeutung. Der Unterricht verlief in einer lockeren Form, die allen Spaß machte und allen Gelegenheit brachte, sich selbst zu realisieren. Z. B. vor der Theateraufführung der tschechischen Kinderlieder sammelte man zuerst Ideen in der ganzen Gruppe und jeder suchte sich dann eine Rolle aus, mit der er sich identifizieren und sie vorführen konnte.

Gibt es die Möglichkeit weiterer Zusammenarbeit?

Das Projekt soll nächstes Jahr wiederholt werden, wobei man in der Zukunft bei anderen Fonds die Förderung beantragt (Deutsch-tschechischer Zukunftsfond, Deutsche Botschaft in Prag).

Welches Echo fand das Projekt?

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass das Seminar bei den Teilnehmern eine nette Anregung zum weiteren Übersetzen erweckt hatte, und die diesjährigen Teilnehmer sehnen sich nach einer nächsten Fortsetzung.

Wurde auf MitOst e.V., auf den jeweiligen Förderer hingewiesen? Wenn ja, in welcher Form?

MitOst- Werbungsplakate mit den Informationen zu dem Projekt habe ich vor dem Beginn des Projektes an verschiedenen Stellen in Brno ausgehängt: Universität, städtische Bibliothek, Bibliothek des Goethe-Instituts, Teestuben.

In Verbindung mit verschiedenen Konzerten und künstlerischen Abenden, die im Rahmen MEZIUM stattgefunden haben. (Die Übersetzungswerkstatt war ein Bestandteil von MEZIUM).