Verfemte Musik in der Ukraine



Ort: Lemberg, Kiew, Poltawa, Charkiw, Odessa, Dresden
Zeit: 25. August 2004 - 6. Oktober 2004

Projektbericht



Konzert

Ausgangspunkt des Projektes war die Idee des Dresdner Ensembles timbre actuel, eine Konzertreise mit Musik der „Neuen jüdischen Schule“ (Moskau / Skt. Petersburg) durch fünf verschiedene Städte der Ukraine zu machen. Dem Publikum sollte dabei die Problematik von verfemter Musik aus der Ukraine näher gebracht werden, denn die auf dem Programm stehenden Werke stammten zumeist von Komponisten, deren Lebenswege in der Ukraine begonnen hatten. Verfemung, dass meint Verfolgung, Denunziationen, Berufsverbote, etc. von Künstlern, gab es nicht nur im Hitlerdeutschland der 30er und 40er Jahre. Auch in der Stalinära existierten die verschiedensten Einschränkungen, mit denen die Kunstschaffenden zu kämpfen hatten.

Anders als in Deutschland, wo mittlerweile ein reges Forschungsinteresse bezüglich verfemter Kunst und Musik im 20. Jahrhundert vorherrscht, ist jene Thematik in der Ukraine ein eher unbeschriebenes Blatt. Es hat so gut wie noch keine öffentliche Auseinandersetzung, geschweige denn Aufarbeitung gegeben.

Ausgehend von jenen Tatsachen, gab es nun die Folgeidee, um das eigentliche Konzert ein Seminar und Diskussionsforum zu bauen, welches den Menschen in der Ukraine die Möglichkeit bot, sich über jene / ihre eigene aber auch gesamteuropäische Geschichte zu informieren.

Für unser Vorhaben galt es zunächst eine Grundstruktur hinsichtlich der einzelnen Seminare und Konzerte zu entwickelt. Referenten mussten für wissenschaftliche Beiträge gefunden, eine Dramaturgie des Seminars entworfen und die einzelnen Musikbeiträge abgestimmt werden. Vorort in den ausgewählten Städten Lemberg, Kiew, Poltawa, Charkiw und Odessa halfen uns verschiedene THK Kollegiaten, Bosch oder Bosch-Tandemlektoren oder MitOst- Mitgliedern bei der Vorbereitung des Projekts. Leider sprang kurz vor Projektbeginn die Jiddisch Foundation der Ukraine als Kooperationspartner ab, sodass es bei den finanziellen Mittel der Reise nur noch Unterstützung durch die Boschstiftung und das Europäische Zentrum der Künste gab. Einzig und allein in Lemberg unterstützte die Jiddisch Foundation der Ukraine das Projekt, indem sie einen Raum im Jüdischen Gemeindezentrums zur Verfügung stellte. In Kiew gelang die Realisation unseres Seminars durch die Unterstützung des dort ansässigen Ukrainischen Komponistenverbandes, in Poltawa durch das Kulturamt der Stadt und die örtliche Universität. In Charkiw fand das Seminar am germanistischen Institut der Universität statt und in Odessa am Haus der Schauspieler.

Konzert

Der Abschluss des Projektes war in Dresden. Es sollten die Ergebnisse der Reise einem interessiert Publikum präsentiert werden. Leider stießen wir jedoch mit dem Seminar auf wenig Resonanz, vermutlich auch deshalb, weil in Dresden das neue Semester noch nicht begonnen hatte und somit unsere Zielgruppe, Studenten der Kultur-, Sprach- und Geisteswissenschaften, noch nicht in der Stadt bzw. an ihren Instituten waren. Das Konzert des Ensembles timbre actuel, welches im Rahmen der 18. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik in der Dresdner Synagoge stattfand, war dagegen ein voller Erfolg. Es war nahezu ausverkauft und der Vortrag des Programms war auf einem qualitativ sehr hochwertigen Niveau.

In der Ukraine hatten wir oftmals mit aufführungstechnisch schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Für den Pianisten Stefan Eder war es teilweise sehr anstrengend, die in einem schlechten Zustand vorgefundenen Klaviere und Flügel zu spielen. Die öffentlichen Diskussionen zu den Referaten, schließlich aber auch zu den illustrierenden Musikstücken, waren in den fünf Städten der Ukraine jedoch sehr stark.

Partner

Europäisches Zentrum der Künste Hellerau