TRIVIUM - Belarussisch-deutscher Austausch über Zivilgesellschaft



Projekttitel: TRIVIUM* Studentischer Austausch „Freie Universitäten Minsk – Berlin“

Trivium – Kreuzung auf dem Weg zu einer stärkeren Zivilgesellschaft in Belarus und Deutschland

Im Sommer 2004 wurde die Europäische Humanistische Universität (EHU) in Minsk/ Belarus geschlossen. Warum? Dem autoritärem Regime des belarussischen Präsidenten Lukaschenko war die einzige nichtstaatliche Hochschule des Landes ein Dorn im Auge. Die Vermittlung von Werten und Methoden, wie offene Diskussion oder selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten, standen in der Lehre der EHU im Vordergrund und waren nun durch die Schließung der EHU bedroht. Damit entstand die Idee für einen deutsch-belarussischen studentischen Austausch: Wir wollten die Studierendenschaft der EHU, welche sich zu dieser Zeit in einem sehr verunsicherten Zustand befand, in ihrer Vision von unabhängiger kritischer Bildung unterstützen und uns außerdem gemeinsam mit belarussischen StudentInnen mit Perspektiven der Zivilgesellschaft in Belarus und Deutschland auseinandersetzen.

Ein weiterer uns wichtiger Aspekt war es, durch das Leben in Gastfamilien und abendlichem kulturellem Programm für kurze Zeit in den Alltag des jeweils anderen Landes einzutauchen und seine Kultur zu erleben. Zur Verwirklichung dieser Ideen führten wir einen je zehntägiger Besuch der deutschen Studierenden in Minsk im April und einen Gegenbesuch der Belarussen in Berlin im Juli 2005 durch. Durch Besuche bei unterschiedlichen Nichtregierungsorganisationen (NROs) versuchten wir Einblicke in verschiedene Teile der Zivilgesellschaft zu gewinnen und anschließend die unterschiedlichen Bedingungen, Probleme und Motivationen zu vergleichen.

Unser Programm war dicht gefüllt: gegenseitige Referate, Termine bei NROs, Diskussionen, Kultur, ... Klappte etwas nicht ganz so wie geplant, waren Geduld und Spontaneität gefragt. Als beispielsweise Probleme mit der Registrierungsbehörde in Minsk auftauchten, bekamen die deutschen TeilnehmerInnen bereits kalte Füße, die Belarussen blieben dagegen „cool“ und sorgten dafür, dass wir über für uns undurchsichtige Umwege doch noch alle rechtzeitig den begehrten Stempel in unseren Pass bekamen. Eine positive Überraschung war unser Belarus-Abend in Berlin, den wir zu einer öffentlichen Veranstaltung mit Film, Musik, Diskussion, ... ausgebaut hatten. Anstelle der erwarteten 60 Personen erschienen mehr als 100 Gäste und das Buffet wurde knapp...

Für manche deutsche Teilnehmer erschien es geradezu unverständlich, dass nicht alle belarussischen ProjektteilnehmerInnen bereits in den Startlöchern zur Revolution gegen den Präsidenten saßen, wo sie doch gerade mit der Schließung ihrer Universität eine seiner restriktiven politischen Maßnahmen hautnah zu spüren bekommen hatten. Auch wenn die weißrussischen Studenten, wie zu erwarten, dem politischen Geschehen im eigenen Land keineswegs gleichgültig gegenüberstehen, zeigten sie uns doch schnell, dass sie die von deutscher Seite immer wieder angefachten „Revolutionsdiskussionen“ für übertrieben hielten. Sie versuchten uns zu vermitteln, dass sie in Minsk, trotz aller Umstände, ein ganz normales Leben führten und sie sich nicht ständig vom Staat bedroht fühlen. Dass sie kritisch sind, jedoch nicht bereit, in ihrem Alltag alles stehen und liegen zu lassen, um auf der Stelle eine Revolution zu entfachen.

Waren unsere Diskussionen in Minsk noch oft von gegenseitiger Zurückhaltung geprägt, wurden sie während der zweiten Phase in Berlin zunehmend intensiver - bis hin zu kontroversen Auseinandersetzungen zwischen Belarussen und Deutschen und innerhalb der weißrussischen Gruppe, was in diesem Ausmaß vorher keiner erwartet hatte.

Am Ende äußerten alle TeilnehmerInnen, eine Menge aus dem Projekt mitgenommen zu haben. Das betrifft nicht nur die Erfahrungen innerhalb unserer Gruppe, sondern auch die gesammelten Informationen über die Zivilgesellschaften in Belarus und Deutschland.

Der bedeutendste Unterschied zwischen der Situation deutscher und weißrussischer NROs ist, dass die zivilgesellschaftliche Arbeit in Belarus vor allem in Opposition zum Staat geschieht, während in Deutschland die Kooperation zwischen Staat und NROs das Bild der Zivilgesellschaft prägt. Vor allem die Erfahrung, dass Engagement unter extrem verschiedenen Bedingungen umgesetzt wird, motivierte uns – ProjektleiterInnen wie TeilnehmerInnen, selbst aktiver zu werden bzw. es zu bleiben.

Fotos



Gemeinsames Singen
Zitat 1: „Das Leben ist nicht so unterschiedlich in unseren zwei Ländern. Beide haben Gutes und Probleme verschiedener Art. Wir beide haben es nötig unser soziales Umfeld zu verbessern und aktiver zu werden.“
Diskussion
Zitat 2: „Ich war überrascht, dass es manchmal so viele unterschiedliche Antworten auf unsere Fragen zur belarussischen Zivilgesellschaft gab. Das war eine wichtige Erfahrung: das große Ganze zu sehen und trotzdem zu differenzieren.
Tanzen auf belarussisch
Zitat 3: „ Ich bin froh, dass wir offenen und sehr intensive Diskussionen hatten – und zwischendurch jede Menge Spaß!“
Besuch bei einer NGO
Zitat 4: „Ich habe gelernt, was ich tun muss, um selbst ein Projekt zu verwirklichen und wie ich neue Informationen und nützliche Kontakte finde. Ich habe herausgefunden, wie NGOs in Deutschland funktionieren, welche Art von Problemen sie haben und welche Unterschiede es zwischen belarussischen und deutschen NGOs gibt.“
Belarus-Abend, öffentliche Veranstaltung in Berlin
Zitat 5: „ Wir haben gesehen, dass man mit viel Engagement viel erreichen kann. Das war eine schöne Erfahrung, besonders auch bei unserem Belarus-Abend.“

Weitere Infos und Berichte zum Projekt



Austauschprojekt.pdf

Bericht ueber Austauschprojekt Trivium im OEI-Info der FU Berlin

39 K

Radio.pdf

Bericht Radio Svabodu ueber Trivium auf Deutsch

15.8 K

Trivium.pdf

Abschlussbericht

62 K

OWG.pdf

OWG-Trivium

223 K

Erfahrungsbericht.pdf

Erfahrungsbericht belaruss Projektleiterin_Tatyana Kisel

17.0 K

Kontakt zu den ProjektleiterInnen: